Detailansicht
13. Mai 2011

Entgeltgleichheit für Frauen - 150 Jahre und immer noch nicht angekommen

Seit Beginn der Industrialisierung wuchs der Anteil von Frauen in Industriebetrieben stetig. Für die gleiche Arbeit erhielten sie einen wesentlich geringeren Lohn.

1857/1858 traten Textilarbeiterinnen in den USA in den Streik. Sie forderten höhere Löhne, bessere Arbeits- und Lebensbedingungen.

Über 150 Jahre sind vergangen und die Benachteiligungen der Frauen sind heute immer noch dieselben.

Frauen erhalten in Deutschland 23 % weniger Entgelt als Männer. Damit trägt Deutschland im EU Ländervergleich eine der Schlusslaternen gemeinsam mit Zypern, Estland und der Slowakei .

Frauen in Führungspositionen (26 %) sind unterrepräsentiert sowohl in der Privatwirtschaft als auch im öffentlichen Dienst. In gleichwertigen Führungspositionen erhalten Frauen bis zu einem Drittel weniger Entgelt.  Damit liegt Deutschland wieder auf den hinteren Plätzen (Platz 21).

In Kontrollgremien deutscher Unternehmen haben Frauen wenig zu sagen. Nur 12 % der Aufsichtsratspositionen sind mit Frauen besetzt. Diese Quote wird jedoch nur erreicht, weil im Rahmen der Mitbestimmung von Arbeitnehmerseite  Frauen als Aufsichtsratsmitglieder benannt werden. Realer Anteil von Unternehmens-/Anteilseignerseite ist lediglich 4,5 % !

Warum ist das so – schließlich sind Frauen mindestens genau so gut ausgebildet wie Männer.

Bestehende Rollenbilder und die Aufgabenteilung in der Familie zu Lasten der Frau sind tragende Ursachen für die Entgeltunterschiede bei Männern und Frauen.

Das Tarifsystem ist nach wie vor nicht geschlechtsneutral.

Anforderungen in Frauen dominierten Berufen  werden immer noch „minderwertiger“ eingestuft.

Sie verfügen familienbedingt über weniger Berufsjahre oder sind familienbedingt gezwungen, Teilzeitbeschäftigungen anzunehmen. Frauen sind seltener in Führungspositionen vertreten.

Fatale Folgen haben diese Entgeltunterschiede dann für Frauen im Alter.

Männer erhalten eine durchschnittliche Rente von € 931,--, Frauen eine durchschnittliche Rente von € 531,--; Frauen bekommen also i.d.R. knapp 50 % weniger!

Es wird höchste Zeit, dass die Politik die Rahmenbedingungen für gleichberechtigte Einkommens- und Karrierechancen für Frauen und Männer schafft.

Frauen wollen keine warmen Worte, Frauen wollen Taten !