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2. März 2015

Kirchenaustritte

(Leserbrief zum Artikel in der LN vom 22./23.Februar 2015 Seite 13, - Kirchen suchen ihre verlorenen Schafe.)

Da können die Kirchen aber leider lange suchen, bis sie ihre verlorenen Schafe wiedergefunden haben. Aber im Ernst.
Ich befürchte, daß die Zahl der Austritte noch erheblich zunehmen wird. Darüberhinaus sterben die älteren Kirchenmitglieder
nach und nach weg und von den Jüngeren sind viele entweder in keiner christlichen Kirche oder ggf. auch konfessionslos.
Und selbst von den Jugendlichen, die getauft und konfirmiert worden sind, treten leider sehr häufig viele nach der
Konfirmation oder dem Eintritt in das Berufsleben aus der Kirche wieder aus.
Und dann kommt als I-Tüpfelchen noch die Aktion "Einzugsverfahren auf Kapitalerträge".
Was haben sich die EKD-Leitung und die Nordkirche nur dabei gedacht?
Auch wenn die wenigsten Gläubigen in der Tat bei der derzeitigen Höhe der Sparzinsen Kirchensteuern auf Sparzinsen zahlen müßten,
hat das doch viele Kirchensteuerzahler massiv verunsichert und zu den dramatischen Austrittszahlen geführt.
Da hilft auch kein "Gesundbeten" oder Schönreden.
Der Probst des Kirchenkreises Plön-Segeberg, Herr Dr. Havemann, sieht das schon wesentlich realistischer.
Allerdings sollte auch er die Frage stellen, wer auf die Idee mit dem Einzugsverfahren auf Kapitalerträge gekommen ist,
und welche persönlichen Konsequenzen die hierfür Verantwortlichen daraus ziehen wollen?
Am Geld kann es ja nicht gelegen haben, da die Kirchensteuereinnahmen noch immer "sprudeln".
Viele Mitglieder der Evangelischen Kirche, zu denen auch ich gehöre, fragen sicherlich zu recht, warum die EKD nicht
Einsicht zeigt und diese unsägliche Aktion des Einzugsverfahrens auf Kapitalerträge umgehend wieder zurück nimmt, um das Schlimmste zu verhindern.
Aber auch hier befürchte ich, daß das nur ein Wunschdenken sein dürfte.

Manfred Lieder