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4. Dezember 2013

Burnout auf Raten: Pflegeausbildung in Bad Oldesloe ohne Zukunft

Das planlose Konfliktmanagement der Landespolitik und des Krankenhauskonzerns Aklepios verhindert den Fortbestand der Krankenpflegeschule in Bad Oldesloe.

Nur mit mehr Personal für die praktische Ausbildung und geeigneten Ausbildungsräumen vor Ort ist die Ausbildungs- und die Pflegeversorgung in hoher Qualität gesichert.
Zum derzeitigen Schwebezustand erklärt die Kreissprecherin der LINKEN, Heidi Beutin:

Die Krankenpflegeschule in Bad Oldesloe hat erstmalig den diesjährigen Ausbildungsjahrgang ausgesetzt. Die anstehende Renovierung der Ausbildungsräume wurde zuerst mit einer Interimslösung auf einer Station der Klinik in Bad Oldesloe aufgefangen. Dann entschied das Ministerium für Soziales, Gesundheit, Familie und Gleichstellung die Schließung des bisherigen Standortes zum 30.09.2014, da der Asklepios-Konzern den Auflagen zur Renovierung nicht nachkommen wollte.

Der Betreiber der Schule, der Asklepios-Krankenhauskonzern arrangiert sich mit dieser verantwortungslosen Entscheidung der Landespolitik und schlägt eine denkbar unattraktive Fortführung dieses wichtigen regionalen Ausbildungsangebotes vor: die räumliche Splittung der praktischen und theoretischen Ausbildungsmodule. Die angehenden Fachpflegekräfte sollen nun zwischen den Erfahrungen in der Pflegepraxis in Bad Oldesloe und einem Schulangebot in Hamburg oder Lübeck pendeln. Doch im BZG von Asklepios, dem Bildungszentrum für Gesundheitsberufe in Hamburg, ist kein Platz für weitere Auszubildende. Einen LehrerInnenmangel gibt es schon jetzt.

Dieser Vorschlag ist eine Mischung aus Zumutung und Verweigerung endlich nach einer echten Lösung in Bad Oldesloe zu suchen und die Landespolitik zurück in eine vernunftbeseelte Planung der Pflegeausbildung zu holen.

Die Pflegeausbildung in Bad Oldesloe, ist - wie andere Pflegeausbildungen auch - ohnehin schon jenseits von geregelten Standards nach dem Berufsbildungsgesetz und vernünftigen Tarifverträgen. Die Privatisierung der gesundheitlichen Vorsorge und Pflege in den vergangenen Jahrzehnten hat nicht nur zu einer weiteren Entwertung und alltäglichen Verschiebung der Belastungsgrenzen jenseits des Erträglichen in den Pflegeberufen geführt. Jetzt droht einmal mehr die Qualität der Ausbildung eines gefragten und noch immer gesellschaftlich unterbewerteten Berufes zu kippen.

Die Ausbildung an einem Ort war für die Lernenden attraktiv. Zugleich war damit ein wichtiges Ausbildungsangebot im Flächenland in Schleswig-Holstein gesichert. Diesen Vorzug jetzt durch ein unzumutbares Lösungsangebot zu verspielen, kommt einem Tod auf Raten gleich. Wenn am Standort Bad Oldesloe zukünftig nicht mehr vollständig vor Ort ausgebildet wird, wird der Klinik der Nachwuchs abgegraben.

Nach der bereits erfolgten Schließung der geburtshilflichen Abteilung könnten weitere aufgrund hausgemachten Personalmangels folgen? Die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung wäre damit nicht mehr sichergestellt.

Bevor dieser unhaltbare Zustand eintrat, war vom Medizinischen Pressesprecher der Asklepios-Kliniken, Dr. Franz Jürgen Schell noch zu vernehmen: "Die Interimslösung innerhalb der Klinik war eine Sofortmaßnahme und zur Überbrückung angedacht, bis geeignete Räume zur Verfügung stehen"1.
Die jetzige Lösung ist eine Absage an den Fortbestand der Pflegeschule in Bad Oldesloe.
Die einzig gangbare Lösung für eine gute Pflegeausbildung sind geeignete Ausbildungsräume und mehr Personal in Bad Oldesloe.


Für den Kreisvorstand

Heidi Beutin,