Spätestens seit der AGENDA 2010, dem Regierungsprogramm der SPD und GRÜNEN Regierung von 2002, ist klar. Soziale Kürzungen heißen jetzt „Reformen“. Im Laufe der letzten Jahre spürten alle die Kürzungen. Auch im Sozial und Bildungsbereich. Zum Beispiel die Situation an den Schulen. Viele Gebäude sanierungsbedürftig. Schlechte Ausstattung. Zu viele Schüler in einer Klasse, zuwenig Lehrer. Unterrichtsausfall. In Flächenländern, auch in Schleswig Holstein, wurden Schulen zusammengelegt, Schulen geschlossen. Den Eltern wurde versprochen, dass die Schülerbeförderung kostenlos sein und bleiben soll. Auch das ist jetzt vorbei. Die Eltern sollen bezahlen. Bezahlen dafür, dass ihre Kinder zur Schule kommen. Ähnlich auch an den Unis. Die Hörsäle platzten aus allen Nähten. Der Putz fällt von den Decken. Die Ausstattung ist miserabel. Es fehlt an Personal. Und zunehmend führte ein Bundesland nach dem Anderen Studiengebühren ein. Je schlimmer die Bildungssituation, desto lauter das Geschrei um Bildungsreformen. Jede politische Partei die etwas auf sich hielt, versprach für gute Bildung sorgen zu wollen. Die Konsequenz war eine lange Geschichte von Bildungspfuschereien. Bis heute jagt eine sog. „Reform“ die nächste.
Regionalschule, Gemeinschaftsschule, Zentralabitur, G8 oder G9, Profiloberstufe oder doch Beibehaltung des althergebrachten Dreigliedrigen-Schulsystems. So die verschiedenen Schlagworte, die die Debatte bestimmen.
Während der Zank um „Reformen“ tobte, ohne die Betroffenen mit einzubeziehen und die Situation wirklich zu verbessern, gingen immer mehr Studenten, Lehrer, aber auch Schüler auf die Straße. Auch in Schleswig-Holstein. Auch in Glinde. Seit dem Jahre 2008 gab es auch hier Proteste und Demonstrationen von Schülern. So berichtete die Bergedorfer Zeitung unter dem Titel „Klassenkampf für eine bessere Schule“ am 17.Juni 2009 über eine Demonstration von Schüler und Schülerin in Glinde. „Wir wollen, dass mehr Lehrkräfte eingestellt werden“, forderte z.B. die 16 jährige Sarah. Aber auch das immer mehr Stoff in immer weniger Zeit zu bewältigen sei, wird in dem Artikel von Schülern bemängelt. Gleichzeitig äußert sich eine gewisse Sorge um die Zukunft, wenn Studiengebühren, Verschulung des Studiums und Verkürzung der Studienzeit, z.B. von Janick, kritisch angemerkt werden.
Schulfrieden?
Die Forderungen der (Volks-) Elterninitiative für einen Schulfrieden sind vor allem am Erhalt des Bestehenden orientiert. Auf ihrem Flyer fordert sie:
-Verlässlichkeit in der Schule.
-Inhaltliche Arbeit in den Schulen, statt ständiger Strukturdebatten.
-Bildung in den Vordergrund zu stellen, ohne Parteiengeplänkel
-Ruhe für die Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und Eltern
-Optimale Lehrerversorgung in den Schulen
Die ersten vier Forderungen sind der -aus der Perspektive eines Parteiverdrossenen nachvollziehbaren- Sehnsucht nach Ruhe geschuldet. Die fünfte Forderung hat mit dem neuen Schulgesetz oder der (Volks-) Elterninitiative nichts zu tun und ist eine Frage, die durch den Landeshaushalt beantwortet wird. Auch die Erwartung, dass ein runder Tisch aller Beteiligten sich dann 2013 nur zusammensetzen müsste und dann im Konsens punktuelle Verbesserungen im bestehenden Schulgesetz vornimmt, ist nur aus der Perspektive eines Politik- oder Parteiverdrossenen nachvollziehbar. Politik lebt von der Auseinandersetzung und widerstreitenden Interessen. Gerade fortschrittliche Verbesserungen durchzusetzen ist immer eine Machtfrage. Im Konsens mit einer elitären Minderheit wird es niemals eine echte Gemeinschaftsschule als einzige Schulform geben.
Am Ende des letzten Jahres bildete sich dann in Schleswig Holstein eine Elterninitiative, die sich für einen verbindlichen Schulfrieden, ein Reformverbot bis 2013 ausspricht. Das klingt, nach dem ganzen bisherigen Hickhack, erst einmal gut, klopft aber den jetzigen schlechten Zustand nur fest.
Wir bleiben dabei; eine wirkliche Verbesserung von Schule und Bildung lässt sich nur in einer langwierigen Auseinandersetzung, einen Schulkampf, durchsetzen, wo auch Eltern und Schüler mutig gegen Elitenbildung eintreten! Schulfrieden kann es aus LINKER Sicht erst dann geben, wenn kein Kind in Schleswig-Holstein mehr unter der herrschenden schlechten Bildungspolitik leidet.[1]
Schulkampf!
LINKE Schulpolitik muss immer für die Verbesserung des Bestehenden streiten. Damit ist kein blinder Aktionismus gemeint, wie Schwarz-Gelb ihn betreibt, sondern ein stetiges Eintreten für unsere Kernforderungen, die ALLE im bestehenden Schulgesetz nicht verwirklicht sind .LINKE Bildungspolitik sollte kämpfen:
- für eine Gemeinschaftsschule für Alle bis Klasse 10
- für die individuelle Wahlfreiheit nach Neigungen und Fähigkeiten in der Oberstufe
- für kleinere Klassen und mehr Lehrerinnen und Lehrer
- für die bessere Ausstattung von Schulen
- für solidarische Gruppenarbeit statt Frontalunterricht
- für emanzipatorische Lerninhalte
- für ein Lernen aus Interesse ohne Druck und aus Selbstzweck
Um mit ihnen (liebe Eltern) und euch (liebe Schüler) zu debattieren, ob das richtig ist, laden wir herzlich zu einem Abend der kontroversen Diskussion ein:
Am Donnerstag den 29. September 2011 um 18:00 Uhr im Bürgerhaus Glinde
Ablauf:
1. Impulsreferat zu den Schulprotesten von 2008 – 2010 in Glinde
(ca. 30 Min.)
2. Impulsreferat zum aktuellen Stand der Schul- und Bildungspolitik in S-H.
(ca. 30 Min.)
3. Diskussion
Eine Veranstaltung von DIE LINKE, Ortsverband Glinde/Oststeinbek/Reinbek, Sozialistischer Jugendverband SOLID, und mit Unterstützung von Genossen der DKP
[1] Einige Teile des Flugblattes sind aus einem Positionspapier von B. Thoroe, MdL Die Linke