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25. März 2022

Kundgebung zum Kampftag gegen Rassismus

Über 1 Duzent Menschen hatte sich bei kaltem Schleswig-Holsteinischen Frühlingswetter auf dem Bad Oldesloer Kirchberg versammelt, um mit einer Kundgebung den Kampftag gegen Rassismus zu begehen.

Organisator Hendrik Holtz freute sich, dass vor allen Dingen junge Redner*Innen gewonnen werden konnten.

 

Ali Mercan Landtagskandidat der Partei DIE LINKE. führte in seinem Redebeitrag aus:

"Ich möchte heute Eure Aufmerksamkeit auf das Thema Racial Profiling und die damit verbundene Polizeigewalt lenken. Menschen die zum Beispiel so aussehen wie ich, haben regelmäßig mit gesellschaftlichen und strukturellen Restriktionen zu kämpfen. Es kann nicht sein, dass Menschen mit Einwanderungsbiografien immer unter Generalverdacht gestellt werden und das sie anlasslose Polizeikontrollen erleben müssen. Schwarze Haare reichen oft schon aus, um direkt auf respektlose Weise in polizeilichen Ansprachen verwickelt zu werden."

"Rassismus ist auch in unserer Gesellschaft noch tief verankert. Dabei überdauern postkoloniale Strukturen bis heute sowohl im System, als auch der Gesellschaft und in unseren Köpfen. Das äußert sich hin vielen Bereichen offensichtlich, wie aktuell in der Ungleichbehandlung von flüchtenden Menschen, je nachdem aus welcher Region sie fliehen. Weniger offensichtlich äußert sich oft ein Alltagsrassismus, der von den Ausübenden vielfach gut gemeint ist und nicht einmal bewusst ausgeübt wird. Es geht um kleine Situationen, die diesen Menschen tagtäglich das Gefühl geben, nicht dazu zu gehören. Fragen nach der „wahren Herkunft“ und die nach der Familiengeschichte, falls die nach der wahren Herkunft „Rostock“ lautet. Mangelnde körperliche Distanz, wenn jemand fremdes nur mal kurz diese exotischen Haare anfassen will, oder dem kleinen süßen Schwarzen Kind in die Wange kneift. Es geht um Abwertende Blicke im Bus und in der Bahn und rassistische Sprüche, von denen eine weiße Begleiter*in spontan sagen würde „mach dir nichts draus, war doch nicht so schlimm“.

Es geht um das Misstrauen, das nicht weißen Menschen entgegen schlägt, wenn sie nach dem Weg fragen müssen und niedrigere Toleranz im Umgang mit nichtweißen Menschen, wenn sie sich mal nicht alles gefallen lassen. Wenn man tagtäglich mit solchen kleinen Nadelstichen gepiekt wird, dann macht das etwas mit einem. Man fängt selbst an zu glauben, anders zu sein, man fängt an an der eigenen Identität zu zweifeln. Als nicht Betroffene, kann ich nicht für die von Rassismus betroffenen Menschen sprechen. Ich sehe nicht, was sie sehen, ich höre nicht, was sie hören und ich fühle nicht was sie in ihrem Alltag fühlen. Aber ich kann aus der Sicht einer Person sprechen, die versucht sich ihren vielen eigenen kleinen Rassismen zu stellen. Das ist nicht immer einfach, verunsichert vielfach und geht mit der ein oder anderen Selbstkränkung einher, wenn man sich bei rassistischen Verhaltens- und Denkweisen ertappt. Es reicht nicht, Hautfarben zu ignorieren und zu leugnen, sondern es braucht ein Problembewusstsein und eine explizite Förderung antirassistischer Strukturen, eine explizite Förderung von diverser Politik", sagte Merle Fischer, Sozialpolitische Sprecherin der LINKSFRAKTION. Bad Oldesloe.

Lars-Pieter Friese thematisierte in seiner Rede die Ursprünge des Rassismus und stellte dar, wie der Imperialismus als höchste Form des Kapitalismus zu einer rassistischen Überlegenheitsidelogie in Europa führte. "Die materiellen Unterschiede im Kapitalismus, sind die Basis für Rassismus", sagte Lars-Pieter Friese; Sprecher des Inihauses Bad Oldesloe

Am Schluß bedankte sich H.Holtz nochmal bei allen Redner*Innen und versprach : "Wir werden auch nächstes Jahr wieder am Start sein!"