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9. Januar 2012

Dokumentation der Rede von ['solid], die auf der Demonstration vom 26.11.2011 in Glinde nicht gehalten werden durfte:

Glinde ist bunt und nicht braun – das steht auf Plakaten, die vor knapp zwei Wochen in ganz Glinde ausgehängt wurden. Kaum waren die Plakate aufgestellt, waren viele davon bereits zerstört oder ihr Sinn durch Farbdosen verändert worden. Zu lesen war auf ihnen nun die Aussage: Glinde ist braun.

Wer seinen Kopf nicht systematisch in den Sand steckt oder sich auf die Aussagen zweifelhafter Organisationen wie des Verfassungsschutzes verlässt, der kann wiedereinmal die Existenz von Neonazis und Faschisten in Glinde wahrnehmen.

Ja wiedereinmal, denn Naziaktivitäten gibt es in Glinde und Umgebung nicht erst seit heute. Immer wieder tauchten massenhaft Aufkleber im Stadtbild auf, während an den Wänden der Glinder Schulen Schmierereien wie die 88 oder das Deutschland-Erwache-Zeichen prangten, am Schulzentrum sogar bis heute prangen. Auch durch das selbstbewusste Hissen von Reichkriegsflaggen in Gärten und auf Balkonen zeigten Glinder Nazis ihre Präsenz.

Widerstand gegen – und Aufklärungsarbeit über Faschisten in Glinde gibt es ebenfalls nicht erst seit heute. So machten u.a. mehrere Infostände auf dem Marktplatz auf das Problem aufmerksam, kratzten AntifaschistInnen immer wieder Naziaufkleber von Laternenmasten und organisierten mehrere „Rock-gegen-Rechts“-Konzerte. Zudem wurden durch AntifaschistInnen in der Schülervertretung mehrmals Antirassismus-Projekttage initiiert.

 

Bis zur Eröffnung dieses Naziladens jedoch, ignorierte man von Seiten der offiziellen Politik das Problem und bekämpfte lieber jene, die Widerstand leisteten, die sich präventiv für eine emanzipatorische Jugendpolitik und eine demokratische Schulpolitik einsetzten, ja man setzte sie sogar mit Hilfe des unwissenschaftlichen Extremismusbegriffs den Faschisten gleich.

Heute jedoch, wo das Problem des Faschismus durch den bereits erfolgten und nicht zu ignorierenden Protest nicht mehr von der Hand zu weisen ist, versucht man sie unter dem Deckmantel der Einheit und Geschlossenheit zum schweigen zu bringen und sie hier und heute nicht sprechen zu lassen.

Wir lassen uns jedoch – getreu dem Motto „Glinde ist bunt und nicht braun, lieber bunte Vielfalt statt braune Einfalt“ – nicht den Mund verbieten und fordern alle Parteien auf, endlich in die Diskussion, um Ursprung und Wurzeln des Faschismus, historisch sowie lokal einzusteigen.