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7. Dezember 2011

Offener Brief zum Bildungsstreik

Betr.: Bildungsstreik                                                    Oststeinbek, den 22.11.2010

Sehr geehrte Damen und Herren, der fünfte und jüngste Bildungsstreik in Glinde fand am Donnerstag, den 17.11.2011 statt. Er stand wie seine Vorgänger im Rahmen einer bundesweiten wie auch weltweiten Bewegung, die sich für bessere Bildungsverhältnisse einsetzt ( siehe www.bildungsstreik.net/proteste-am-17-november-2011/ ).

Der bundesweite Bildungsstreik wird dabei von einer Vielzahl von Gruppen unterstützt und organisiert, darunter Gewerkschaften (vor allem GEW-, Ver.di- und DGB-Jugend), politische Jugendorganisationen (von den Jusos über die Grüne-Jugend bis hin zur der Linksjugend [`solid] und auch von der SDAJ) und Schüler- wie Studentenvertretungen.

In Glinde wurde seit jeher der Bildungsstreik von engagierten linken Jugendlichen, vor allem durch Mitglieder der Linksjugend [`solid], und von den örtlichen Schülervertretungen organisiert. Dabei hieß es offiziell von Seiten der Lehrerschaft und der Schulverwaltung immer, es werde keine Repressalien, keine schlechten Benotungen, keine Verweise, keine Missbilligungen oder anderes gegeben.

Die Realität sah hingegen anders aus. Trauriger Höhepunkt war der polizeiliche Kampfhundeinsatz und das Schaffen eines Klimas der Angst am Schulzentrum Glinde. Beim jüngsten Bildungsstreik signalisierte die Schulleitung der Gemeinschaftsschule Wiesenfeld, dass wenn Schülerinnen und Schüler gesellschaftliches Engagement zeigen, sie daran nicht behindert, oder gar dafür bestraft werden.

Das Schulzentrum Glinde stellte seinen Schülerinnen und Schülern sogar frei, bis zur dritten Stunde dem Unterricht fern bleiben zu können. Allerdings wissen wir von Schülerinnen und Schülern, dass die Lehrerschaft wieder einmal im Vorfeld Angst vor Disziplinarverfahren verbreitete. So wurden die SchülerInnen gewarnt, dass eine Streikbeteiligung Konsequenzen haben könne, von einer schlechten Benotung, Fehlstunden im Zeugnis hin zu Verweisen und Einträgen in die Schulakte wie auch Missbilligungen, die zum Rausschmiss führen können.

Ferner wurde den SchülerInnen erzählt, dass ein solcher Streik illegal sei, was soviel heißt, dass man sich durch einen Streik strafbar mache.

Was damit SchülerInnen und Schülern eingetrichtert wird, liegt auf der Hand: Streiken ist im Allgemeinen schlecht, ebenso ist es schlecht sich für seine Interessen und Bedürfnisse solidarisch und gemeinsam mit anderen einzusetzen. Aber damit noch nicht genug. Ferner wurden auch die Eltern von einigen Streikenden angerufen, denen erklärt wurde, dass ihre streikenden Kinder Missbilligungen erhalten werden, was wie bereits gesagt, zum Rausschmiss führen könne.

Wenn gesellschaftliches Engagement stetig weiter untergraben, behindert und schließlich sogar verteufelt wird, wird dies u.a. politische Unmündigkeit und Verdrossenheit zur Folge haben. Dies ist für Glinde gerade im Hinblick auf die aktuellen neofaschistischen Aktivitäten mehr als fatal. Es braucht daher auch niemanden zu wundern, dass sich größtenteils nur die gleichen und dabei linken wie linksorientierten Jugendlichen an den Mahnwachen und Demonstrationen beteiligen.

Wir haben die bisherigen Bildungsstreiks nicht nur beobachtet sondern auch nach unseren Kräften unterstützt. Wir werden dieses auch weiter tun. Wir sind sehr froh darüber, dass sich überhaupt noch Jugendliche finden, die sich trotz Repression und Verleugnungen, ihr Recht auf Widerstand, Koalition und Streik nutzen, um sich für eine bessere Bildung für alle einzusetzen. ( siehe dazu Bergedorfer Zeitung www.bergedorfer-zeitung.de/printarchiv/glinde/article127435/Fuer_Bildung_und_gegen_Nazis.html )

Wir fordern daher die vollständige Aufklärung von Seiten der Schulverwaltungen, wie viele Schüler welche Strafen erdulden mussten, weil sie für die Verbesserung ihres Bildungssystems streikten. Die Schulverwaltungen haben dabei alle disziplinarische Verfahren offenzulegen, die in Verbindung mit den Bildungsstreiks stehen, vom ersten bis zum jüngsten Streik.

Wir fordern die Schulverwaltungen auf, einen außerordentlichen Projekttag zum Thema „Gewerkschaften und Streik“ mit Vertretern der DGB-Gewerkschaften zu initiieren. Dabei sollten die Themen

• Warum streiken während der Schulzeit?

• Streik – ein demokratisches Mittel zur Durchsetzung von Forderungen

• Verbesserung von Arbeits- und Bildungsbedingungen ohne Kampf?

im Vordergrund stehen, Wir fordern die Stadtverwaltung und die anderen ansässigen Parteien auf, sich endlich zu diesen unsäglichen Handlungen der Schulverwaltung und sich zu unseren Forderungen zu positionieren und entsprechend zu handeln.

Wir empfinden die von den Parteien dargelegte Ignoranz als Frechheit! Wenn SPD und oder die Grünen hier vor Ort eine eigene Jugendgruppe hätten, hätten sie sich schon längst zu diesem Thema geäußert. LINKE OV GOR und Linksjugend [`solid] Glinde