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27. April 2016

Verantwortungsvoller Umgang mit der Ressource Wasser? – Der Energierotor in der Trave und ein Weckruf des Papstes

Trave

Doch hart im Raume stoßen sich die Sachen! (Schiller)

Die Stormarner Presse berichtet: An der Sühlener Mühle (nördlich von Bad Oldesloe) wird ein Energierotor arbeiten. Das ist eine 9 x 3,80 umfassende, in die Trave abzusenkende Ponton-Konstruktion, die jährlich 165000 Kilowattstunden Strom erzeugen soll. Im Umweltausschuß trugen besorgte Kreispolitiker dazu Kritik vor. Angler fragen: Handelt es sich wirklich um eine „fischfreundliche Anlage“? Der Fluß ist bekannt als ein „Hauptlaichgebiet“ für Lachse. Wassersportler erregen sich: Genügt für ihre Boote die „Mindestdurchfahrtbreite“ von 1,10 m?

Zufällig übersendet mir zur selben Zeit ein befreundeter Forscher den Text der jüngsten Enzyklika des Papsts: „Laudato si“ (‚Gelobt seist du’). Franziskus hofft, angesichts weltweiter ökologischer Schäden die Menschheit mit seinem leidenschaftlichen Weckruf aufzurütteln. Sie zu bewegen, die Natur fortan nicht zu mißhandeln, sondern schonend, sogar liebend mit ihr umzugehen. In einem eigenen Abschnitt zeigt er auf, wie sehr das Wasser von „der Erschöpfung der natürlichen Ressourcen“ betroffen wird, obwohl es „unentbehrlich für das menschliche Leben und zur Erhaltung der Ökosysteme von Erde und Wasser“ sei. „Die Süßwasserquellen versorgen die Bereiche von Gesundheitswesen, Landwirtschaft und Industrie.“ Zusätzliche Probleme sind: die Qualität des Wassers, die ständig schlechter wird, sowie die Tendenz, „diese knappe Ressource zu privatisieren“. So „wird sie in Ware verwandelt“, und abzusehen sei, „daß sich die Kontrolle des Wassers durch große weltweite Unternehmen in eine der hauptsächlichen Konfliktquellen dieses Jahrhunderts verwandelt“.
Seit meiner Lektüre der Enzyklika bedrängt mich die Frage des Energierotors in der Trave um so mehr. Das technologische Monstrum wirkt auf mich wie die Illustration zu den Ängsten, die Franziskus äußert. Im Gegensatz zu den kaum überzeugenden Versuchen der Befürworter, die Zweifler zu beschwichtigen, befürchte ich, hier werde eine Verschlechterung der Wasserqualität in Kauf genommen, der Lebensbereich des Fischbestands spürbar eingeengt und die Attraktion der Trave für Sportler und Touristen erheblich gemindert.

Heidi Beutin, Abgeordnete der Linken im Kreistag Stormarn