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13. Mai 2016

Von der Travena zur Trave und zur „Flusslandschaft des Jahres“

Die Trave, so zeigt ein Blick auf die Landkarte, ist ein höchst charakteristisch geformter Fluß von knapp 115 Kilometern Länge: er beschreibt nahezu einen Zirkel, freilich nicht ganz runden, auch nicht geschlossenen mit einem Lauf, der von Nordost kommt, dann nach Westen abbiegt, anschließend südwärts, endlich in die Richtung seiner Herkunft zurückstrebend, wo er in die Ostsee mündet. Zwischen einem Anteil, der durch den Kreis Segeberg fließt, und einem, der Lübeck durchzieht, fügt sich ein wesentlicher Abschnitt von ihm in den Kreis Stormarn ein, genauer: in den Nordkreis.

Helmold von Bosau war ein Pfarrer, der vor ungefähr 850 Jahren lebte (in der Mitte des 12. Jahrhunderts) und eine „Slavenchronik“ abfaßte. Er benannte sie nach dem Hauptgegner, gegen den seinerzeit die Bewohner Holsteins, auch die Stormarner zäh zu Felde lagen. Daß etwa die slawischen Ranen, die Bewohner Rügens, von der Ostsee her in die Travemündung (ostium Travenae) einfuhren, um Lübeck anzugreifen, erzählt derselbe Geschichtsschreiber. Helmold kam nicht selten auf die Trabena oder Travena zu sprechen. Man pflegte damals die Flußnamen um eine Silbe „en“ zu erweitern: Trave > Travena, auch z.B. Bille > „Bilena“. Modern wurde die Travena zur Trave.

Wir haben uns daran gewöhnt, daß jährlich ein Vogel des Jahres gekürt wird, dem in der Öffentlichkeit besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden soll. Ebenso eine Blume des Jahres. Nun hören wir, daß in bestimmten Abständen auch ein Fluß gewählt wird. Für den Zeitraum 2016/17 ist es die Trave, die durch den Deutschen Angelfischerverband und die Naturfreunde Deutschlands zur „Flußlandschaft des Jahres“ ausgerufen worden ist!

Sonach wird es ernst mit dem „Verschlechterungsverbot“ der Wasserqualität, und kann auch kaum die ursprüngliche wieder hergestellt werden, so müßten fortan doch weitere – nach den bereits vorhandenen – Naturschutzbemühungen und Renaturierungsmaßnahmen der verstärkten Verbesserung der Wasserqualität des Flusses dienen. Die Wahl der Trave wird aber auch für den Kreis von erheblicher Bedeutung sein – mit der Trave dürfte ihm über die Region hinaus vermehrte Aufmerksamkeit zuteil werden.

Gratulation, Stormarn!


Heidi Beutin, Abgeordnete für die Linke im Kreistag Stormarn