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9. Oktober 2009

Vor allem aber: Zusammenhalten!

Luc Jochimsen und Steffen Bockhahn sind zwei der 76 LINKEN Bundestagsabgeordneten. Der 31-jährige Steffen Bockhahn hat seinen Wahlkreis Rostock direkt gewonnen und ist ein Newcomer im Bundestag. Luc Jochimsen hat zum zweiten Mal den Sprung ins Parlament geschafft. Ein Gespräch über große Herausforderungen, die Bundeswehr und das rote Rostock.

DIE LINKE ist deutlich gestärkt in den Bundestag eingezogen. Was ist die größte Herausforderung in den nächsten vier Jahren?

Steffen Bockhahn: Da ich nicht wirklich mit dem Mandat gerechnet habe, bin ich im Moment noch dabei, mir diese Frage selbst zu beantworten. Klar ist aber, dass ich wesentlicher Teil der sozialen Oppositionspartei sein möchte. Die Region Rostock und die maritime Wirtschaft brauchen mehr Beachtung. Daran möchte ich arbeiten. Meine Schwerpunkte werden sich wohl ganz wesentlich am Wochenende bei der Fraktionsklausur entscheiden. Da werden die Ausschüsse uns Arbeitskreise sortiert.

Luc Jochimsen: Erstens, dass es uns gelingt, als starke Opposition, die diesen Namen verdient, der Regierung Paroli zu bieten. Zweitens, in diesem Zusammenhang, die Bundeswehr aus Afghanistan abzuziehen und die militärische Außenpolitik der Bundesrepublik insgesamt zu stoppen.

Für den Frieden zu kämpfen, kann auch schon mal zu Konfrontationen mit der Polizei führen. So geschehen beim Bundeswehr-Festakt zur Einweihung des Ehrenmals in Berlin. Wie kam es dazu?

Luc Jochimsen: Ich trug einen Schal mit der Aufschrift „JETZT ERST RECHT. RAUS AUS DEM KRIEG“. Ich wollte damit dokumentieren, dass ein Gedenken an tote Soldaten die humane Botschaft verbreiten muss, keine Kriege führen zu wollen.
Feldjäger forderten mich auf, mein Kleidungsstück entweder abzunehmen, oder den Platz zu verlassen. Beides habe ich verweigert. Darauf wurde ich abgeführt und der Polizei überstellt. Am Tag des Vorfalls habe ich dem Bundesverteidigungsminister gebeten, mir die Gründe für diesen Vorfall zu nennen. Am 6. Oktober bekam ich eine Antwort, in der es hieß, dass man den Zwischenfall bedauere. Jedoch sei zu erwarten gewesen, dass jeder Teilnehmer an einer solchen Veranstaltung die Gemütslage von Hinterbliebenen und Kameraden vor dem Hintergrund damit verbundener menschlicher Tragik achtet und eigene politische Präferenzen zurückstellt. Der Schal wurde wohl als Zumutung empfunden.

Die Bundeswehr versucht, durch versteckte Werbung in Spielfilmen oder in TV-Serien junge Leute zu rekrutieren…

Luc Jochimsen: Seit dem 10. September gibt es eine Antwort der Bundesregierung auf unsere Kleine Anfrage dazu, in der das klar bestätigt wird. Mehr als 15 Millionen Euro sind seit 2005 in Werbung für Personalrekrutierung geflossen. Es wird eine unserer vordringlichen Aufgaben in der neuen Legislaturperiode sein, eine Debatte über diese Art von Propaganda anzustoßen. Denn es klingt wie Hohn, wenn die Bundesregierung in ihrer Antwort schreibt, sie beabsichtige nicht „die öffentliche Meinung durch Unterstützung von Filmprojekten zu beeinflussen.“

Steffen, Dein Direktmandat in Rostock war eine Riesenüberraschung. Wie kam es plötzlich dazu, dass Rostock Rot wählt?

Steffen Bockhahn: Seit dem Oktober 2007 bin ich Fraktionsvorsitzender in der Bürgerschaft. Die Fraktion hat sich konsequent für die Interessen der sozial Benachteiligten eingesetzt und immer wieder Alternativen zum Kurs von CDU, SPD & Co aufgezeigt. Als letztes Jahr kommunales Eigentum im Wert von mehr als 200 Millionen Euro verkauft werden sollte, haben wir ein erfolgreiches Bürgerbegehren dagegen durchgeführt. Ich denke die Leute haben nach und nach gesehen, dass nur DIE LINKE wirklich konsequent sozial ist.
Du wirst also den Rostockern und Rostockerinnen erhalten bleiben?
Steffen Bockhahn: Natürlich. Ich selbst bin waschechter Rostocker und meine Mitarbeiterin im Wahlkreisbüro auch. Wir werden doch unser zu Hause nicht im Regen stehen lassen! Ich behalte meine Wohnung hier, Frau und Tochter sind auch in Rostock, der HC Empor und der FC Hansa auch. Vor allem behalte ich mein Bürgerschaftsmandat, um immer an den konkreten Fragen in meinem Wahlkreis dran zu bleiben.

Welchen Ratschlag kann eine erfahrene Politikerin wie Luc Jochimsen einem frisch gebackenen MdB mitgeben?

Luc Jochimsen: Bloß nicht bange machen lassen! Und so bleiben wie man ist – mit den Erfahrungen der Jugend, wie denen des Alters. Vor allem aber: Zusammenhalten!

Was wird die Arbeit desjungen MdB Steffen Bockhahn von der Arbeit unterscheiden, die ein „alter Hase“ im Bundestag macht?

Steffen Bockhahn: Wahrscheinlich kann die Frage erst in einem Jahr wirklich beantwortet werden. Vermutlich habe ich aber einen leichteren und intensiveren Zugang zu neuen Medien und Technik im Allgemeinen. Das kann helfen, solange der Rechner nicht abstürzt…