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1. April 2010

Spökenkiekerei schlägt ISEK oder: Wer rettet die Zukunft?

Spökenkieker-Denkmal in Harsewinkel

Das Integrierte Stadtentwicklungskonzept, kurz ISEK, steht in der Kritik! Zu Recht wird in öffentlichen Fragestunden bemängelt, dass die darin zugrunde gelegten Daten als Basis für richtungweisende politische Grundentscheidungen für die nächsten 25 Jahre (!) unzureichend sind!

Realität: Wir haben gerade die Folgen der größten Wirtschaftskrise der letzten 80 Jahre zu vergegenwärtigen! Eine Schrumpfung des Bruttonationalprodukts in Höhe von real 5 Prozent in 2009 war bis dato in Deutschland unvorstellbar gewesen. In die Zukunft gerichtete Projektionen müssen diese Gegebenheit selbstverständlich in ihre Annahmeszenarien einarbeiten und einwerten.

Genau diese unverzichtbare Voraussetzung findet sich in der vorliegenden ISEK-Fassung nicht wieder. Das vorliegende ISEK ist somit nicht beschlussfähig. Zur Erinnerung: Ahrensburg liegt bekanntlich in Deutschland und wird demzufolge von den Auswirkungen unserer Wirtschaftskrise nicht verschont bleiben!

Insofern ist eine die aktuelle Situation einbeziehende überarbeitete Konzeption zu fordern. Wenn zu ISEK erbetene Stellungnahmen von Randgemeinden, wie z. B. Bargteheide, Delingsdorf, Amt Siek, aber auch des Innenministeriums von Schleswig-Holstein nicht vorliegen, lässt dies aufmerken. Gerade die zugrunde gelegten Annahmen zum Bevölkerungswachstum und damit einhergehend zu verkehrs – und wohnungsmarktpolitischen Maßnahmen in Ahrensburg, bedürfen der Einbindung der Randgemeinden innerhalb einer ganzheitlichen Betrachtung.

Die Altersgruppe der über 60-jährigen ist in Ahrensburg überdurchschnittlich hoch vertreten. Hierzu fehlt eine detaillierte Alterstrukturanalyse innerhalb ISEK. Die Entwicklung zukünftiger Einkünfte aus Renten und anderen Altersversorgungswerken gibt dabei zu großer Sorge Anlass! Wir fragen:

Welcher kommunalpolitische Handlungsbedarf ergibt sich daraus für die Zukunft? Welche konkreten städtepolitischen Planungen sind für eine immer älter werdende Bevölkerung abzuleiten? Welche der derzeitigen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze in der Region Ahrensburg sind zukunftsträchtig?

Die Linke. Ahrensburg und Umgebung stellt sich diesen Fragestellungen und fordert daher ein überarbeitetes Stadtentwicklungskonzept. Die Zukunft dieser Stadt braucht kein unzulängliches Spökenkiekerei-Konzept, sondern die bestmögliche Entscheidungshilfe, wenn es um die Zukunft unserer Stadt und ihrer Menschen geht.


Als Spökenkieker werden im westfälischen und im niederdeutschen Sprachraum, speziell im Emsland, Münsterland und in Dithmarschen, Menschen mit „zweitem Gesicht“ bezeichnet. Der Begriff Spökenkieker kann dabei in etwa mit „Spuk-Gucker“ oder „Geister-Seher“ übersetzt werden. Spökenkiekern wird die Fähigkeit nachgesagt, in die Zukunft blicken zu können. Typisch für die Spökenkiekerei ist die Vorhersage unheimlicher und Angst machender Dinge wie schwerer Krankheit, Tod oder Krieg.

Im Zuge der Traditionspflege wurde dem Spökenkieker in der münsterländischen Stadt Harsewinkel 1962 ein Denkmal gesetzt. Ein weiteres Denkmal befindet sich im Mühlenhof-Freilichtmuseum in Münster. Die Bronzeplastik Spökenkieker (Vorahner, Vorschauer) von Rudolf Breilmann, eine Stiftung der Vereinigung Niederdeutsches Münster, erinnert hier an die Menschen im Münsterland, die Ereignisse „vorhersehen“ konnten.

Mit leicht spöttischem Anklang wird der Begriff Spökenkieker im heutigen Sprachgebrauch teilweise auch für Pessimisten und Schwarzseher benutzt, auch wenn diesen jegliche Gabe zur Vorhersage zukünftiger Ereignisse fehlt. aus WICKI