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15. Dezember 2015

Würdigung von Paul von Schoenaich im Kreis Stormarn

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Viele kennen die nach ihm benannte Straße in Reinfeld. Er hatte im Herbst 1919 hier einen 5 Hektar großen Landbesitz erworben. In einem Prozeß radikalen Umdenkens – nach biblischem Vorbild von ihm betitelt: „mein Damaskus“ – entschloß der hohe Militär (Generalmajor) sich, der neuen Republik loyal zu dienen, was letzten Endes zu seinem Ausscheiden aus der Reichswehr führte. Ende 1918 Mitglied der Deutschen Demokratischen Partei, betätigte er sich in dieser als Vorsitzender der Ortsgruppe Reinfeld, dazu an der Spitze des Kreisverbands Stormarn.1926 unterzeichnete er zusammen mit Albert Einstein und Lord Bertrand Russell das „Manifest gegen die Wehrpflicht“. 1929-1933 amtierte er als Präsident der Deutschen Friedensgesellschaft. 1930 geriet er ins Visier rechter Fanatiker; der Hamburger Publizist Wilhelm Stapel kündigte in der Zeitschrift „Deutsches Volkstum“ ihm sowie drei anderen Pazifisten (Einstein, Kurt Hiller, Theodor Lessing) die Ermordung an, sobald die „nationale Regierung“ der Zukunft sich etabliere. Dagegen schritt in der Weimarer Republik keine Strafverfolgungsbehörde ein!

 

 

1866 in Klein-Tromnau (Westpreußen) geboren, kam er in Kulm auf die Kadettenschule. Seine soldatische Karriere führte ihn anfangs in die kaiserliche Marine, dann in die Armee, wo er hohe Ränge bekleidete, u.a. in Stormarn: als Oberstleutnant kommandierte er das Husaren-Regiment „Königin Wilhelmina der Niederlande“ Nr. 15 in der damaligen Kreisstadt Wandsbeck. Er bewährte sich als Offizier im 1. Weltkrieg, zudem als Heeresreformer (u.a. im Veterinärwesen).

 

Als Autor war er außerordentlich produktiv (Artikel, Bücher). Auch nahm er respektable Positionen in diversen demokratischen Vereinigungen ein. 1933 setzten ihn die neuen Machthaber unter erlogenen Beschuldigungen fest, zuerst in Reinfeld, wo seine Gefängniszelle sich im Obdachlosenasyl befand, danach in Altona (noch preußisch), insgesamt zehn Wochen. Nach dem Kriege amtierte er neuerlich als Präsident der Deutschen Friedensgesellschaft (bis 1951), wurde für einige Zeit auch Mitglied der CDU. 1954 starb er am 7. Januar in Reinfeld.

 

 

Am 16. Februar jährt sich sein Geburtstag zum 150. Male – ein guter Zeitpunkt, seiner in Stormarn zu gedenken.

 

Heidi Beutin, Abgeordnete im Kreistag Stormarn, Die Linke