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28. Dezember 2009

Bericht von der Veranstaltung „Was ist Sozialismus“ in Glinde

Am 17. Dezember, pünktlich um 19:00 Uhr ging's los, unter den Teilnehmern erfreulich viele Jugendliche.

Um die Funktionsweise des Sozialismus verstehen zu können und ihn nicht als pure Utopie erscheinen zu lassen ist es wichtig, die Entstehung des Kapitalismus aufzuzeigen. Also hat Ralf seinen Vortrag damit begonnen, die Ware an sich zu beleuchten, nämlich ihre 2 Charaktere (Gebrauchswert und Tauschwert), wie die Waren getauscht wurden, wie sich eine Ware gebildet hat, gegen die alle anderen Waren getauscht werden können (das Geld). Der Preis der Ware wird bestimmt durch die Verausgabung der Arbeitszeit, die zu ihrer Produktion gebraucht wird. Die Arbeitskraft wird eingekauft, aber zu weniger als sie für den Produzenten abwirft. Laut Marx/Engels gibt es deshalb 2 Hauptklassen: Die eine, welche nichts weiter besitzt als ihre Arbeitskraft und die andere, welche die Produktionsmittel besitzt.

Da sich diese 2 Klassen mit ihren unterschiedlichen Interessen gegenüberstehen, wird eine Instanz gebraucht, die beide Klassen repräsentiert. Das ist der Staat. Er tritt als neutral auf, da er aber den Kapitalismus als Wirtschaftsform nicht in Frage stellt, muss er zwangsläufig die Interessen des Kapitals vertreten. So ist jeder, der den Kapitalismus in Frage stellt, oder auch nur geringfügige Änderungen, wie z.B. eine „Umverteilung“ erreichen will, automatisch ein Staatsfeind, da er ja die Voraussetzung des gegebenen Staates, nämlich das Kapitalverhältnis, in Zweifel zieht. Potenziell ein Fall für den Verfassungsschutz .

Sozialismus und Kommunismus sind von Marx/Engels als Synonyme verstanden worden. Kommunismus ist nicht als Zustand zu verstehen, sondern als eine Bewegung, die den jetzigen Zustand aufhebt. Ziel dieser Bewegung ist die klassenlose, also die kommunistische Gesellschaft. Zur Zeit des Kommunistischen Manifests, also um 1847 – 1850 herum, bezeichneten sich, lt. Marx, Intellektuelle und Andere mit teilweise utopischen Ideen als Sozialisten. Als Kommunisten bezeichneten sich eher Leute, die im Arbeitsprozess standen. Deshalb hat er sein Manifest „Kommunistisch“ und nicht „Sozialistisch“ genannt, um seine Parteilichkeit deutlich zu machen. Im Kommunismus wird die Ware und das Geld ersetzt durch das Arbeitsprodukt und die Arbeitszeit. Die Arbeiter entscheiden selbstständig, was sie herstellen wollen, und ihre Arbeitszeit wird, wegen der hohen Produktivität aus dem vorangegangenen Kapitalismus, gering sein. Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen. Damit kein Mangel herrscht, wird auf Vorrat produziert, denn der Überfluss soll verwaltet werden, nicht der Mangel. Es gibt keinen Staat sondern eine freie Assoziation der Produzenten, die alle Produkte zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse herstellen, bzw. den Produktionsprozess steuern und die Sachen verwalten. Comunis=gemeinsam. Das Leben der Menschen wird nicht mehr so sein, dass jeder für sich, gegen andere kämpfen muss, sondern alle leben gemeinsam zusammen, um ihre individuellen Bedürfnisse, und damit die Aller, auf höchstem Niveau zu befriedigen.

Natürlich stellt sich die Frage nach dem Übergang von der kapitalistischen zur sozialistischen bzw. kommunistischen Gesellschaft. Als einen Schritt dahin hat Lafontaine auf dem letzten Bundesparteitag vorgeschlagen, nach jedem Produktionszyklus die Hälfte des hinzugekommenen Neuwerts den Arbeitern zu übertragen. Die Arbeiter bestimmen mit, was und wie in den Betrieben produziert wird. Marx bezeichnete das als „Diktatur des Proletariats“.

Nach einer kurzen Raucherpause wurde ausgeführt, dass es auch Theorien (z.B. Buhr) gibt, die besagen, dass Sozialismus und Kommunismus nicht gleichbedeutend sind, sondern der Sozialismus eine Vorstufe zum Kommunismus darstellt. Vom Kapitalismus muss erst der Sozialismus eingeführt werden und anschließend kann der Kommunismus erst verwirklicht werden. Das ist z.B. in der DDR so propagiert worden. Dem ist gegenüber zu halten, dass durch Stalins Theorie des „Sozialismus in einem Land“ die weltweite Bewegung des Kommunismus (Zerschlagung des bürgerlichen Staates, Machtübernahme durch die Arbeiter) gestoppt wurde. Die ursprüngliche Marx'sche Theorie wurde dadurch zunehmend verwässert, so dass nicht mehr die weltweite klassenlose Gesellschaft das Resultat des Kapitalismus ist, sondern in „friedlicher Koexistenz“, das Eine neben dem Anderen her existieren konnte.

Anschließend wurde die Frage erörtert, wie man sich denn auf diesem Gebiet bilden kann. In der Schule bekommt man derlei systemkritische Themen eher nicht vermittelt. Es muss sich daher jeder Interessierte mit anderen Interessierten zusammentun und sich in der Gruppe selbst bilden und diskutieren. Dabei muss sich natürlich Die Linke aktiv dran beteiligen, in dem sie nicht nur die eigenen Mitglieder bildet, sondern auch offen ist, für Menschen, die aus verschiedenen Gründen nicht Mitglied werden wollen. Das ist mühsam und beschwerlich, es geht aber nicht anders.

Abschließend wurde die Frage nach der Definition der Klasse gestellt. Es entspann sich eine Diskussion über abhängig Beschäftigte, die sich gerne als „Angestellte“ oder „Mittelschicht“ bezeichnen, um nur ja nicht zu den Arbeitern gezählt zu werden. Weitestgehend Konsens herrschte darüber, dass zur Klasse der Arbeiter all diejenigen gehören, die ihre Arbeitskraft:
gerade verkaufen müssen (z. B. Angestellte, Handwerkergesellen, Arbeiter, Manager), gerade verkaufen müssten, wenn sie könnten (z.B. Arbeitssuchende, Kranke) werden verkaufen müssen (z.B. Kinder, Schüler, Studierende, Auszubildende) bereits verkauft haben (Rentner, Frührentner) um leben zu können.
Nicht zur Arbeiterklasse gehören alle diejenigen unter den oben aufgezählten, die: soviel geerbt haben oder werden, und nicht zu arbeiten brauchen (z.B. Bohème, Sohn, Tochter) die aus sehr reichen adeligen Familien stammen (z.B. Grafen, Prinzessin) ein Unternehmen haben, und alle Arbeiten von Anderen ausführen lassen, oder lassen könnten (z.B. Kapitalisten)

Allerdings gibt es noch eine weitere Gruppe, die weder zu den Einen noch zu den Anderen gehören, nämlich die Kleinbürger, die ein Unternehmen haben, aber trotzdem mitarbeiten müssen um über die Runden zu kommen (z.B. der Handwerkermeister mit einem 2 Mann Betrieb, das kleine Familienunternehmen, das Schlachterehepaar, der Lottoladenbesitzer, der selbstständige Taxifahrer). Diese Gruppe kann all die Sorgen der Unternehmer nachvollziehen, es sind auch ihre Sorgen. Gleichzeitig arbeiten sie oft länger als ihre Mitarbeiter, kennen also auch einen langen Arbeitstag, wobei der Mehrwert in die eigene Tasche fließt. Die Kleinbürger sitzen somit zwischen den Stühlen, und halten ihr Fähnchen in den stärksten Wind.


Martina Bornstein