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22. Juni 2009

Redebeitag zum Schulstreik

Martina Bornstein

Liebe Schülerinnen und Schüler,

Zuerst einmal finde ich es richtig gut, dass ihr heute den Mut aufgebracht habt, dem Unterricht fern zu bleiben um statt dessen auf die Straße zu gehen, um auf die Mißstände im deutschen Schulwesen aufmerksam zu machen.

Mein Name ist Martina Bornstein, ich bin im Kreisvorstand Stormarn der Partei die Linke tätig. Gerne erläutere ich euch die Positionen unsere Partei zum Bildungssystem in Deutschland. Zuerst will ich aber anmerken, dass die Linke an der Vorbereitung und Organisation dieses Streikes nicht beteiligt war, weil wir uns nicht mit fremden Federn schmücken möchten. Zu dem gelungenen Streik gratuliere ich der Schülergruppe.

Die Linke kritisiert:
die neue Oberstufenreform, da sie ein Rückschritt bedeutet. Der einzelne Schüler kann sich nicht mehr spezialisieren, sondern muss Mathe, Deutsch und eine Fremdsprache bis zum Abitur belegen und sich prüfen lassen. Lernen nach Neigung wird stark eingeschränkt.
Das G8 bedeutet, gleicher Lernstoff in einem Jahr weniger. Das führt zu mehr Stress an den Gymnasien, zu Nachmittagsunterricht, zu mehr Lernen zu Hause, zu weniger Freizeit. Gerade für Schülerinnen und Schüler in der Pubertät hat das zur Folge, dass sie weniger Zeit zur Selbstfindung haben und ihre Persönlichkeit nicht mit der erforderlichen Muße entwickeln können.
Die Klassenstärke wird permanent erhöht. Jeder weiß, je weniger Schüler in einer Klasse, desto größer sind die Lernerfolge. Statt dem Rechung zu tragen, werden in einigen Kursen über 30 Schüler sitzen.
Durch die Streichung eines Kurses im Wahlpflichtbereich der 7. Klassen an der IGS können einige Schüler ihr Wahlpflichtfach wegen Überfüllung nicht belegen, und müssen ein Anderes wählen.
Immer noch haben Schüler reicher Eltern die besseren Bildungschancen. Kinder aus Akademikerhaushalten schaffen öfter das Abitur als Kinder aus Arbeiterfamilien, was nicht zu Letzt an der Finanzierung der Nachhilfe liegt. Soziale Selektion findet statt.

Die Linke fordert:
Abschaffung des Gymnasiums, statt dessen Ausbau der Gemeinschaftsschule. Zusammenlernen von Schülern mit unterschiedlichem Kenntnisstand fördert Schüler, die schneller begreifen und Schüler, die etwas länger brauchen, gleichermaßen. Sachverhalte, von Gleichaltrigen erläutert, können oft besser verstanden werden .
Ausstattung der Gemeinschaftsschulen mit gymnasialer Oberstufe, damit alle Kinder die Chance haben, die ihnen möglichen Abschlüsse zu erreichen, ohne die Schule wechseln zu müssen.
Mehr Geld für die Bildung bereitstellen. 25 Mrd soll für Bildung und Gesundheit ausgegeben werden. Es muss politischer Wille sein, in die Bildung junger Menschen zu investieren und nicht nur die Wirtschaft zu alimentieren. Eingenommen werden soll das Geld durch höhere Besteuerung von Reichen, Erbschaftssteuer für Vermögende, Stopfen von Steuerschlupflöchern, Zurücknahme der Steuerentlastung für Unternehmen, Einführung einer Millionärsabgabe.
Kein Schulgeld, kein Büchergeld, keine Kopierkosten für die Haushalte. Keine Studiengebühren.
Ein Schulpaket ab 10. Klasse. Die stormarner Kreistagsfraktion DieLinke wird in der kommenden Kreistagssitzung per Antrag den Kreistag auffordern entsprechende Gelder zur Förderung dieser Schüler entsprechend dem Schulbedarfspaket zu beschließen. Solange die Bundesregierung kein entsprechendes Gesetz verabschiedet hat, sollte unser Kreis für seine Jugendlichen die Verantwortung für die entsprechende Bildung übernehmen, denn Stormarn ist einer der reichsten Kreise Deutschlands.

Vielen Dank fürs Zuhören, jetzt will ich euch nicht weiter nerven, wir sind hier schließlich nicht in der Schule!