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15. September 2016

5 Jahre Protest in Glinde gegen Thor-Steinar

Die Textilmarke „Thor-Steinar“ ist nicht eine Marke wie jede andere, sondern ein Erkennungszeichen von Nazis für Nazis. Wer die Sachen trägt, fühlt sich zur rechten Szene zugehörig und will das auch zeigen. Anders als z.B. „Lonsdale“, die sich mit der Kampagne „Lonsdale loves all colors“, dem Sponsoring des Christopher Street Days 2005 und der Unterstützung für die Kampagne „Laut gegen Nazis“ von der Nazi-Szene distanzierten, ist ähnliches bei „Thor-Steinar“ nicht zu erkennen. Sie sind Nazis, sie stehen dazu und das nach dem Weltkrieg, den der NS über Europa gebracht hat, sowie einer Vielzahl Mordtaten.

Vor 5 Jahren, am 16. September, eröffnete der Laden in Glinde erstmalig seine Türen. Sofort initiierte die Linksjugend Solid zusammen mit der regionalen Antifa eine Protestaktion vor der Ladenzeile und sorgte damit für Aufmerksamkeit in der Glinder Bevölkerung. Der Ortsverband Glinde der Linken lud gleich anschließend die Parteien der Glinder Stadtvertretung sowie den Bürgermeister zu einem Treffen ein, um gemeinsam zu beratschlagen, ob und gegebenenfalls wie mit den neuen Mietern umzugehen sei. Erfreulicherweise folgten alle Geladenen der Einladung. Schnell stellte sich heraus, dass die Glinder Politiker und Stadtvertreter die Existenz des Ladens nicht hinnehmen wollten, sondern den Protest unterstützten mit dem Ziel der Entfernung des Geschäfts. Es bildete sich ein Parteienbündnis aus CDU, SPD, Grünen und Linken, das bis heute andauert. Zeitgleich taten sich einige Glinder zusammen und gründeten die „Bürgerinitiative gegen Rechts“, welche seitdem fast täglich, all die Jahre hindurch bei Wind und Wetter, vor dem Laden ihre Mahnwachen abhält.

Außerdem fanden immer wieder flankierende Aktionen gegen die Existenz des Thor-Steinar-Geschäfts statt wie Lesungen, Fußballturniere, Konzerte. Hinzu kommt die jährliche Beteiligung an den „Internationalen Wochen gegen Rassismus“ u.a. Jedes Jahr um den 16. September herum zog ein Demonstrationszug vom Glinder Markt zum Glinder Berg, um gegen den Laden zu protestieren und dessen Entfernung zu fordern. Weiterhin gab es Infostände auf dem Wochenmarkt, Plakataktionen, Unterschriftenaktionen, Pressemitteilungen, Podiumsdiskussionen. DIE LINKE bot darüber hinaus noch eigene Veranstaltungen z.B. zum Antifaschismus, zur Rolle des Verfassungsschutzes in der rechten Szene und auch zum Tag der Befreiung vom Faschismus am 8. Mai an.

Ohne dies überragende Engagement der Glinder wäre der jahrelange Widerstand nicht aufrecht zu erhalten gewesen. Er hat sich gelohnt. Der Mietvertrag wurde nicht verlängert. Der Mieter hätte die Verkaufsräume bis zum 31. Juli dieses Jahres geräumt haben müssen. Nichts geschah. Der Laden ist immer noch geöffnet. Laut Aussage des Anwalts des Vermieters wird eine Räumungsklage angestrengt.

Ist der Mieter bisher nicht ausgezogen, weil der Betreiber, die „Bestmarke Textil GmbH“, in der Umgebung neue Räume zu mieten sucht? Wir appellieren an Vermieter von Ladenlokalen, sich vor Abschluss eines Mietvertrages genau zu informieren, wer da welche Textilien verkaufen will.

Die Glinder Öffentlichkeit ist gut beraten, auf jeden Fall dranzubleiben. Keine NS-Werbung in Glinde und auch nicht anderswo!


Heidi Beutin, Abgeordnete der Linken im Kreistag Stormarn