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2. Mai 2015

Matthias Claudius – eine Erinnerung

Matthias Claudius wurde am 15.8.1740 im damals dänischen Reinfeld im Herzogtum Holstein als Sohn des dortigen Pastors geboren. Er lebte lange in Wandsbek – in damaliger Schreibweise: Wandsbeck -; er starb am 21.1.1815 in Hamburg, im Hause seines Schwieger-sohns Perthes am Jungfernstieg. 2015 jähren sich sein 275. Geburtstag und zugleich sein 200.Todestag. Für die Stormarner ein Grund, sich des M.C. gern zu erinnern.



Viele kennen das berühmte „Abendlied“, dessen erste geniale Strophe ich genauer betrachte:


    Der Mond ist aufgegangen, / Die goldnen Sternlein prangen / Am Himmel hell und klar; /

      Der Wald steht schwarz und schweiget, / Und aus den Wiesen steiget / Der weiße Nebel

      wunderbar.“

Mit wenigen Worten malt Claudius ein zauberhaftes Bild: Wir sehen in eine nächtliche Landschaft hinein, die vom Mond und den weit entfernten Sternen erhellt ist. Nach hinten wird sie vom schwarzen, unbewegten Wald begrenzt, davor liegen Wiesen und darüber der helle klare Himmel. Der aus den Wiesen aufsteigende, verschleiernde weiße Nebel ist die einzige Bewegung in dieser Landschaft. Schwarz, weiß, grün und golden sind die Farben in diesem Bild. Sprachlich auffällig sind das seltene Wort `prangen´ (= glänzen, leuchten) und die Zeile mit dem schwarzen, schweigenden Wald.

Was in diesem Gedicht spricht uns so an ? Es ist die einfache Sprache, es sind die Schönheit und die Ruhe des Bildes, es ist die wunderbare Stille der nächtlichen Natur mit den wenigen schönen Farben, und es ist die Gelassenheit, die das Gedicht ausstrahlt, mit der es uns in seinen Bann zieht. --

Einige Bemerkungen zu M.C. Er war für wenige Jahre Kulturredakteur, zunächst in Hamburg, dann am „Wandsbecker Bothe(n)“ in Wandsbek; hier veröffentlichte er seine Gedichte, Ar-tikel, Plaudereien und Rezensionen der Werke seiner Zeitgenossen. Hier konnte man auch das Gedicht „Der Schwarze in der Zuckerplantage“ lesen, was umso bemerkenswerter ist, weil Graf Heinrich Carl Schimmelmann die Zeitung finanzierte, in der M.C. die Zustände auf den Zuckerplantagen der karibischen Inseln, die Schimmelmann gehörten, aus der Sicht eines schwarzen Sklaven beschrieb.

M.C. hat einige Gedichte und andere Texte geschrieben, die zu den Diamanten der deutschen Sprache und Literatur gehören (z.B. „Kriegslied“, „Der Tod und das Mädchen“, „An meinen Sohn Johannes“ u.a.) Er verkehrte mit den Geistesgrößen seiner Zeit: Klopstock, Lessing, Goethe, Schiller u.a.. Er war ein Menschenfreund.

Seine Werke hat er unter dem Pseudonym „Asmus“ herausgegeben („Asmus, omnia sua secum portans oder Sämmtliche Werke des Wandsbecker Bothen“).

Verheiratet war er mit Rebekka, die er sehr geliebt und umsorgt hat. Beide sind auf dem Alten Wandsbeker Friedhof, gleich neben dem Schimmelmann-Mausoleum bei der Christus-kirche am Wandsbeker Markt begraben.

Joachim Land