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15. Mai 2015

Vortrag von Ralf Iden "Der 8. Mai 1945 – Der Tag der Befreiung von der faschistischen Barbarei"

Der 8. Mai 1945 – Der Tag der Befreiung von der faschistischen Barbarei

 

Liebe Genossinnen und liebe Genossen,

liebe Gäste,

 

Vorweg:

seit Bestehen unserer Partei ist der Antifaschismus grundlegender Bestandteil unserer Programmatik und unserer politischen Praxis. Auch unser Kreisverband Stormarn beteiligt sich mit notwendigen politischen Aktionen daran.

Im Zuge dieser Aktionen habe ich einige Texte und Reden verfasst, deren größter, gerade auch geschichtlicher Teil, seine Gültigkeit nach wie vor besitzt. Einige Passagen dieses Vortrags sind deshalb diesen Texten entnommen.

 

Zur Sache:

Auf die Ursache schauen

Der ehemalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker starb Ende Januar dieses Jahres mit 94 Jahren. Am 11. Februar bekam er ein Begräbnis mit allen staatlichen Ehren (Staatsakt). Von 1984 an, war er 10 Jahre lang, seinem eigenem Selbstverständnis nach  „Präsident aller Bürger“. Ein bedeutendes Ereignis seiner Amtszeit war seine Rede am 8.Mai 1985 zum 40. Jahrestag des Endes des zweiten Weltkrieges. Durch ihren höchsten Repräsentanten anerkannte die Bundesrepublik Deutschland erstmalig, den 8. Mai 1945.

In seiner Rede sagte von Weizsäcker:

„Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung. Er hat uns alle befreit von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.

Niemand wird um dieser Befreiung willen vergessen, welche schweren Leiden für viele Menschen mit dem 8. Mai erst begannen und danach folgten.“

Und wirklich; noch 1955 sagten in einer repräsentativen Umfrage über 50% der Deutschen, dass der 8. Mai 1945 für sie eher ein Tag der Niederlage als ein Tag der Befreiung gewesen sei. 2010 war das Bild ein anderes. So schrieb der Stern nach einer Umfrage: „Wenn auch vergleichsweise viele Bürger nicht spontan sagen können, was der 8. Mai 1945 bedeutet, so ist das Kriegsende für die überwältigende Mehrheit der Deutschen (85 Prozent) eher ein Tag der Befreiung als ein Tag der Niederlage. Die (Niederlage) sehen nur noch 7 Prozent.“ Und mit dieser zeitlichen Distanz zum Geschehen des Grauens scheint sich die wahre Sicht auf die Dinge langsam Bahn zu brechen. Auch wenn die Stern Umfrage eine erschreckende Unwissenheit der Befragten offenbart, der es unbedingt entgegen zu arbeiten gilt.

 

Ein Mythos der sich bis heute erschreckend hartnäckig hält, ist die Legende vom Anfang der Nazi-Barbarei.

Denn, so fährt Weizsäcker in seiner Rede fort: „Aber wir dürfen nicht im Ende des Krieges die Ursache für Flucht, Vertreibung und Unfreiheit sehen. Sie (die Ursache) liegt vielmehr in seinem Anfang und im Beginn jener Gewaltherrschaft, die zum Krieg führte. Wir dürfen den 8. Mai 1945 nicht vom 30. Januar 1933 trennen.“ Werfen wir aber einen Blick auf den Beginn der Diktatur der Faschisten, so werden wir uns auch eines Mangels der Rede von Richard von Weizsäcker gewahr. Es ist hier nicht der Ort und auch nicht die Zeit, seine Rede einer kritischen Würdigung im Einzelnen zu unterziehen. Jeder kann aber nachlesen, dass Weizsäcker das Hauptmotiv für das Aufkommen der Naziherrschaft in „nationalistischen Übersteigerungen“ der Europäer seit dem 1. Weltkrieg und erneuter „nationalistischer Leidenschaften“ vor Beginn des 2. Weltkrieges sah. Nur begrifflich unscharf verbindet er den Nationalismus mit „sozialen Notlagen“. Und am 8. Mai 1945 sei ein „europäischer Bürgerkrieg zu Ende gegangen“. Von welchen „Notlagen“ und welchem „Bürgerkrieg“ er im Genaueren spricht, darüber lässt er uns allerdings im Unklaren. Versuchen wir es mal.

 

Machtübergabe statt Machtübernahme

 

Wir befinden uns seit dem September des Jahres 2008 in der tiefsten Wirtschafts- und Finanzkrise seit 1929. Alle relevanten Ökonomen, einschließlich vieler Neoliberaler, bestätigen, dass die Krise auch für Deutschland nicht ausgestanden ist, sondern weiterschwellt und mit einem erneuten Ausbruch zu rechnen ist.

Seit 2007 die Weltwirtschaft in relevanten Branchen begann einzubrechen und sich dann für jeden sichtbar in den USA mit einem großen Immobilencrash Bahn brach, gerieten weltweit Banken und Finanzinstitute in eine riesige Kredit- und Finanzklemme.

 

Die Staaten Europas und der USA griffen ein und stützten diese Kapitalpaläste mit Milliarden an Steuergeldern und Geldgarantien. Die Krise des Kapitals wurde zu einer Krise der Staaten. Bezahlen sollen den ganzen Kladderadatsch – wir, die arbeitende Bevölkerung, die Arbeitslosen, Rentner, Schülerinnen und Schüler!

 

Was das auch für uns hier in Deutschland bedeuten wird, können wir zurzeit schon daran sehen, wie die arbeitende Bevölkerung in Griechenland, Italien, Spanien und Portugal geschröpft und behandelt wird. 2013 schrieb ich: „Vor kurzem las ich irgendwo, Faschismus entsteht dort, wo die Demokratie zu teuer wird. Nun, seit Ausbruch der größten Wirtschafts- und Finanzkrise 2007/2008 nach der großen Krise Anfang der 1930er Jahre ist Demokratie teuer. Sehr teuer!

In einem Interview im Juni 2010 sagte der damalige Generalsekretär des Europäischen Gewerkschaftsbunds (ETUC), John Monks:

‚Dies ist 1931 (er meint 2010), wir bewegen uns zurück in die 1930er Jahre mit der Großen Depression. Damals landeten wir in einer militaristischen Diktatur. Ich sage nicht, dass wir schon soweit sind, aber die Lage könnte nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch sehr gefährlich werden.’[1]

Zur gleichen Zeit widmete sich auch die Zeitschrift "Internationale Politik, die als führende Zeitschrift der Bundesrepublik auf dem Gebiet der Außenpolitik gilt, dem Thema "Diktatur".

Die Herausgeber fragten im Editorial: ‚Entfalten autoritäre Systeme wieder einen größeren Glanz - weil sie schneller sind in ihren Entscheidungen als die behäbige Demokratie?’.

Der Berliner Politik-Professor Herfried Münkler, einer der gefragtesten deutschen Politikberater und zugleich Mitglied im Beirat der Bundesakademie für Sicherheitspolitik, schreibt dort: ‚nach Auffassung einiger Beobachter’ befinde sich der Westen in einem ‚Zustand der Erschöpfung demokratischer Energie und der Erosion demokratischer Institutionen’.

Münkler stellt fest, ein ‚sich ausbreitendes Unbehagen an der Demokratie’ verleihe ‚dem Spiel mit der Diktatur eine gewisse Attraktivität’.

Münkler zufolge führen vor allem die Langsamkeit demokratischer Verfahren, die Schwerfälligkeit demokratischer Entscheidungsprozesse, ‚Mängel in der Auswahl des politischen Personals’ und der ‚Einfluss von Parteien und Interessengruppen’ zum ‚Wunsch nach 'ein klein wenig Diktatur'’. Münkler selbst lehnt diktatorische Maßnahmen ab, ob allerdings diejenigen, wie er sagt, die, ‚heute verschiedentlich von diktatorischen Befugnissen und Maßnahmen’ sprechen, das auch so sehen, bleibt offen.[2]

2013, legt der Spiegel nach. In seiner Ausgabe von Anfang August (5.08.13), spricht er vom Bundestags ‚Wahlkampf der Lethargie’ und verlangt mehr Mut zu ‚unpopulären Entscheidungen’. Das alles unter der Überschrift ‚Die bequeme Republik’.

Der Spiegel spricht von der ‚politische Feigheit’ der Parteien und Politiker, die sich an die ‚Reformunwilligkeit’ der Bürger anpassten.

Und die Regierung in Berlin sei nur stark und unnachgiebig, wenn es um die Kürzungen anderer gehe. Sie habe den europäischen Südländern Sparmaßnahmen zugemutet, die in mehreren Ländern ‚dramatische soziale und politische Verwerfungen’ hervorgerufen hätten: ‚Rentenkürzungen bis zu 30 Prozent, heftige Einschnitte bei Sozialleistungen und im Gesundheitswesen, Massenentlassungen im Staatsdienst.’…’…aber Deutschland könnte den Südländern glaubwürdiger Härte abverlangen, wenn es selbst wenigstens zu einem Bruchteil dieser Maßnahmen bereit wäre’.

Als Kronzeuge kommt der uns schon bekannte Herfried Münkler zu Wort. Zitat: ‚…es müsste eine Gruppe von führenden Politikern geben, die bereit sind, um der Zukunft willen gegenwärtige Risiken (er meint Proteste und mögliche Wahlniederlagen) einzugehen’. Es fehle ‚nicht nur an Mut zu unpopulären Maßnahmen’, es fehle die Bereitschaft zu strategischem Denken, erklärt Münkler. Belohnt werde, ‚wer moralisch, nicht strategisch denkt’. Das füge der Gesellschaft ‚langfristig schweren Schaden’ zu.[3][4]

 

„Ähnlich sah die Situation in der großen Krise 1929 aus. Ab 1930 übernahm Heinrich Brüning, Fraktionschef der Zentrumspartei, ein Vorläufer der CDU, die Reichsregierung. Der Zusammenbruch der Aktienmärkte führte zu einem Abzug der Gelder, die Deutschland geliehen wurden. Brüning regierte von Anfang an mit Notverordnungen, einer sogenannten Präsidialdiktatur, die ohne Zustimmung des Parlaments auskam. Es regnete ein Sparpaket nach dem nächsten auf die Bevölkerung nieder. Die Arbeitslosigkeit stieg rasant und Teile der Wirtschaft brachen völlig zusammen. Hatte die NSDAP, die Nazipartei 1928 Reichsweit noch 2,5 Prozent der Stimmen bekommen, stieg ihr Anteil bei der Reichstagswahl im September 1930 schon auf 18,2 Prozent.

 

Die Rosskur, die Brüning der arbeitenden Bevölkerung verordnete, ließ die Kaufkraft sinken, und stürzte auch immer größere Teile des Mittelstandes, der Bauern und des städtischen Kleinbürgertums in große Verunsicherung. Neben den reaktionären und rechten Kreisen, die schon immer in ihrem Hass auf den Sozialismus und verbohrten Nationalismus treue Anhänger der Nazis waren, erhielt die Nazipartei jetzt besonders aus diesen Bevölkerungsschichten regen Zulauf.

 

Im Juli 1932 erreichte die Nazipartei den Höhepunkt ihrer Zustimmung mit 37,3 Prozent der Stimmen. Die Arbeiterparteien SPD und KPD kamen zusammen auf knapp 36 Prozent, das Zentrum und andere bürgerliche und nationalistische Parteien auf knapp 20 Prozent. Eine stabile Regierung war nicht möglich.

 

Im November 1932 fanden erneut Wahlen zum Reichstag statt. Es wurden die letzten freien Wahlen. Hindenburg, der als Generalfeldmarschall im ersten Weltkrieg schon einmal Deutschland einer Diktatur unterworfen hatte, seit 1925 Reichspräsident der Republik und bei seiner Wiederwahl 1932 auch von der SPD unterstützt, machte Hitler am 30. Januar 1933 zum Reichskanzler.

 

Nur nebenbei: Diese historische Wahrheit ist Grund genug dafür, dass unsere Genossen in Bad Oldesloe für die Umbenennung der Hindenburgstraße kämpfen. Wollen wir nicht annehmen, dass eines Tages unsere Nachfahren für die Umbenennung der Gauckstraße kämpfen müssen.

 

Was war passiert? Die Novemberwahlen 1932 brachten den Nazis Wahlverluste. 33 Prozent wählten noch die NSDAP. Die Arbeiterparteien legten auf über 37 Prozent zu. Dies war allein Zuwächsen der KPD zu verdanken. Der Schulterschluss der Antikommunisten war gekommen. Während es SPD und KPD nicht fertigbrachten, gemeinsam gegen die akute Gefahr des aufkommenden Faschismus zu handeln, kapitulierten die bürgerlichen Parteien vollständig. Wikipedia schreibt dazu: „Der Antikommunismus war Anfang 1933 das verbindende Glied der Parteien der Rechten (NSDAP, DNVP) und der Parteien der Mitte (Zentrum, DVP, DStP).“ Das Märchen von der Zerstörung der Republik durch ihre Rechten und Linken Feinde ist faktisch widerlegt. Es waren vielmehr die Parteien der Mitte gemeinsam mit Hindenburg, die den Nazis die Macht vor die Füße legten. Einer Partei die bei den letzten freien Wahlen von 37 auf 33% zurückgefallen war. Es war allerhöchste Zeit.

 

Joseph Goebbels hielt in seinem Tagebuch für diesen 30. Januar fest: „Es ist so weit. Wir sitzen in der Wilhelmstraße. Hitler ist Reichskanzler. Wie im Märchen. Gestern Mittag Kaiserhof: wir warten alle. Endlich kommt er. Ergebnis: Er Reichskanzler. Der Alte [gemeint ist Reichspräsident Hindenburg] hat nachgegeben. Er war zum Schluss ganz gerührt. So ist’s recht. Jetzt müssen wir ihn ganz gewinnen. Uns allen stehen die Tränen in den Augen. Wir drücken Hitler die Hand. Er hat’s verdient. Großer Jubel. Unten randaliert das Volk. Gleich an die Arbeit. Reichstag wird aufgelöst.

 

 

Mit dem Ermächtigungsgesetz wurde am 23. März 1933 die parlamentarische Demokratie durch einen letzten Parlamentsakt vollends beerdigt. 72 von 73 Zentrumspolitikern stimmten diesem Gesetz zu. Auch Brüning. Das gesamte Parlament war auf Zustimmung getrimmt. Die Abgeordneten der KPD saßen schon in den KZ’s oder befanden sich im Untergrund oder auf der Flucht vor dem Naziterror. Mutig stimmte alleine die SPD gegen das Ermächtigungsgesetz. Otto Wels begründete die Entscheidung der SPD unter Hohn und Spott der Nazis. Die Trennung der Arbeiterbewegung in SPD und KPD fand ihre Zwangsvereinigung in den Konzentrationslagern der Nazis. Auch Christen und Bürgerliche wurden in der Folge von den Nazis verfolgt. Brüning flüchtete 1934 in die USA.

 

Dann brach der Sturm über Europa und die Welt los. Viele Dutzend Millionen Tote, verbrannte Erde und Elend waren das Resultat.“ [5]

 

 

 

 

Ein Sturm bricht los

 

„Die braune Barbarei erhob ihr Haupt und wird auf ewig mit dem Namen Deutschlands verbunden bleiben. Nun ging es Schlag auf Schlag. Am 20. März 1933 wurde das KZ Dachau errichtet um politisch missliebige Personen, vor allem der sozialistischen und kommunistischen Parteien zu inhaftieren. Am 23. März wird das sog. ‚Ermächtigungsgesetz‘ verabschiedet, welches die Demokratie endgültig beerdigte. Am 2. Mai, einen Tag nach den Maifeiern, die die Gewerkschaftsführungen noch in der Hoffnung Gnade vor den Nazis zu finden mit ihnen gemeinsam abhielten, wurden die Gewerkschaften zerschlagen und führende Funktionäre verhaftet. Da war das Verbot der SPD am 22. Juni 1933 nur noch die Kür. Die Faschisten hatten ganze Arbeit geleistet. Was brauchte es da noch nationale und konservative Parteien. So lösten sich DNVP und Zentrumspartei kurz danach selbst auf!

 

Das Jahr 1933 war ein schicksalhaftes Jahr für Deutschland. Die Wirtschaftskrise der kapitalistischen Gesellschaft fand ihre blutigste Lösung. Das Versagen der maßgeblichen Arbeiterparteien und der Gewerkschaften zur Abwehr der Diktatur der Arbeiterfeinde und des Antisemitismus war komplett. Zwar hatte die KPD noch am 30 Januar 1933 zum Generalstreik aufgerufen, hatte es aber aufgrund der tiefen Spaltung der Arbeiterbewegung versäumt, öffentlich von Gewerkschaften und SPD Spitzenverhandlungen zu verlangen. Letztere wiederum beharrten ihrerseits strikt auf legalem Verhalten, obwohl es in den Betrieben eine hohe Kampfbereitschaft gab. So verpuffte dieser Aufruf der KPD bei 200 000 arbeitslosen Mitgliedern in den eigenen Reihen. Die Möglichkeit des massenhaften, organisierten und vor allem gemeinsamen Kampfes gegen die Nazis war vertan. So schrieb der Historiker Wolfgang Wippermann: ‚Die Gruppen des Arbeiterwiderstandes kämpften getrennt und wurden getrennt geschlagen, aber: sie kämpften’ Heute wissen wir, es hat nicht gereicht.

Schon Ende Februar 1933 wurde die KPD verboten. Der Reichstagsbrand am 27. Februar bot einen guten Anlass. Mehr als die Hälfte aller Spitzenfunktionäre wurde verhaftet oder ermordet. Die Aufrechterhaltung der alten Infrastruktur noch bis 1935 erleichterte es der Gestapo Parteigliederungen aufzudecken und zu zerschlagen. Außerdem bargen die gewählten Aktionsformen, wie Flugblattverteilen, Kurzdemonstrationen und ähnliches ein hohes Verhaftungsrisiko. So wurden 1933/1934 ca. 60 000 Kommunisten inhaftiert, 2000 ermordet. 1935 kamen noch einmal 15000 Verhaftungen dazu.

‚Trotz immer neuer Verhaftungen (14) und brutalster Repressionsmethoden gelang es der Gestapo nicht, die fortwährende Neubildung kommunistischer Zellen im Reich zu unterbinden. So heißt es Ende 1934 in einem Gestapo-Bericht’:

‚Trotz schärfster Überwachung der KPD-Bewegung, verhältnismäßig schneller Zerschlagung der einzelnen Organisationszellen und abschreckender Strafen für die zahlreich festgenommenen Funktionäre finden sich immer wieder Personen, die sich der illegalen KPD-Arbeit zur Verfügung stellen und versuchen, den Organisationsapparat neu aufzuziehen.’[6][7]

 

 

 

 

Die Schuld aller Deutschen?

 

Immer wieder wird behauptet, erstens, „die Deutschen“ hätten in ihrer Mehrheit Hitler und die Nazis an die Macht gebracht, und zweitens, „die Deutschen“ hätten sich zur Volksgemeinschaft zusammengeschlossen und wären „Hitlers willige Vollstrecker“ gewesen.

Das die erste Behauptung ein Mythos ist, ist im oben dargelegten schon aufgezeigt worden. Ohne tatkräftige Unterstützung durch Hindenburg und die Parteien der Mitte, hätte die NSDAP die Macht nicht ergreifen können. Sicher, die Arbeiterparteien SPD und KPD haben insofern ihren Anteil an dem Geschehen, als das sie sich nicht haben zu einer gemeinsamen Abwehrfront zusammenschließen können. Auf fruchtbaren Boden fiel bei ihnen die Propaganda von Volksgemeinschaft und Judenhass aber nicht. Erst nachdem sich das deutsche Bürgertum (die Krupp und Thyssens)  der Gemengelage von deklassierten Frontsoldaten, Kleinbürgern und abgehalfterten Adel anschloss, begann der steile Aufstieg der faschistischen Bewegung. Die Klassenauseinandersetzung zwischen Besitzbürgern und Arbeiterbewegung ging in die entscheidende Phase. Die Vernichtung der einst so starken und stolzen Arbeiterbewegung markierte den Anfang der Vernichtung der Juden in Europa und nicht das aufgehen der Arbeiterbewegung in die Volksgemeinschaft der Nazis.

So zitiert die Historikerin Helga Grebbing Hans Mommsen, der schon 1971 empfahl, den Begriff „Volksgemeinschaft“ als Propagandabegriff der Nazis zu verstehen. Zu keiner Zeit sei in der Bevölkerung die Übereinstimmung mit der Politik des Nazi-Regimes so stark gewesen, das ernsthaft von der „sozialen Integration“ gesprochen, diese eher als „vorgespielt“ bezeichnet werden müsse. Grebbing leitet ihren Aufsatz mit zwei Schlussfolgerungen von Michael Schneider ein. Kurz gesagt: Erstens, Die Arbeiterbewegung hatte nach der Zerschlagung ihrer Organisationen keine Chance mehr, das Naziregime ins Wanken zu bringen und zweitens, Widerwillen und Verweigerung in der Arbeitschaft, seit der zweiten Hälfte der 30er Jahre, hätten bewiesen, das es den Nazis nicht gelungen sei, eine aus Überzeugung geschlossen agierende Volksgemeinschaft zu schaffen.

Sicher gab es antisemitische Einstellungen auch unter Arbeitern. Und es gab auch Arbeiter, die sich der NSDAP anschlossen. Insbesondere nachdem die Arbeiterorganisationen zerschlagen waren. Doch vieles deutet darauf hin, dass die Anfälligkeit für Judenhass innerhalb der Arbeiterschaft wesentlich geringer ausgebildet war, als im verunsicherten Mittelstand und Kleinbürgertum.

Nachdem Gewerkschaften, Kommunisten und Sozialdemokraten ihrer Organisationen ledig waren und ihrer Köpfe enthauptet, war die Arbeiterklasse zum Objekt degradiert, ihres Bewusstseins und damit ihrer Subjektivität beraubt. Die gesamten 12 Jahre des Faschismus, versuchten immer wieder Teile der Arbeiterbewegung ihre Subjektivität wieder herzu stellen. Dies wurde mit großen Opfern bezahlt und gelang leider nicht.

 

Die Folgen der Niederlage der Arbeiterbewegung

 

Zwischen 50 und 80 Mio. Opfer hat der zweite Weltkrieg gekostet. Die Kriegstoten der gelisteten Staaten ergeben eine Summe von ca. 65 Millionen Menschen, darunter mehr als die Hälfte Zivilisten. Neutrale Staaten und Kolonien wurden dabei nicht berücksichtigt. Die größten Opferzahlen hatte die Sowjetunion mit ca. 27 Mio. Toten zu beklagen. Davon 13 Mio. Soldaten und 14 Mio. Zivilisten. Ca. 6 Mio. Juden, zwischen 100 000 und 220000 Sinti und Roma (manche sprechen von 500 000), ca. eine ¼ Mio. Euthanasierte, zwischen 3,3 Mio. und 4,4 Mio andere KZ-Opfer ließen ihr Leben.  Etwa 200 000 Kommunisten, Sozialdemokraten und Christen wurden umgebracht.

Von den rund 300.000 Mitgliedern der KPD im Jahr 1932, befanden sich 150.000 in der Zeit des Hitlerfaschismus für kürzere oder längere Zeit in Haftanstalten oder Konzentrationslagern des Naziregimes. Die Nazis brachten 20.000 deutsche Kommunisten um.

Ca. 1,5 Mio deutsche Zivilisten starben in Folge der Kriegshandlungen.

 

Aus aktuellem Anlass: Griechenland als Beispiel

 

Die Zeitschrift Konkret schreibt: „Raubwirtschaft, bestialische Verbrechen gegen die einheimische Bevölkerung und am Ende auch die Politik der „verbrannten Erde“ prägten die NS-Besatzungszeit. Metallische Rohstoffe wie Erz, Kupfer und Zink, aber auch landwirtschaftliche Produkte wie Olivenöl und vor allem Tabak wurden geplündert oder in Form von ungleichem Tausch angeeignet. Im Winter 1941/42 führten die Zerrüttung der Wirtschaft und Inflation, einhergehend mit einer britischen Seeblokade, zu einer Hungersnot, der mindestens 100 000 Menschen (manche 300 000 und mehr) zum Opfer fielen. Von den knapp sieben Millionen  Griechen wurden während der deutschen Besatzungszeit mehr als 500000 getötet. (…) Relativ genau kann von etwa 60000 ermordeten Juden ausgegangen werden, über 80 Prozent der jüdischen Vorkriegsbevölkerung. Andere starben bei der Zwangsarbeit und in Konzentrationslagern, kamen bei ‚Sühnemaßnahmen‘ durch Erschießen, Verbrennen oder Erhängen ums Leben oder wurden bei Polizeiaktionen zu Tode malträtiert. Alle wichtigen Eisenbahnbrücken hatten die Deutschen gesprengt, drei Viertel der Handelstonnage versenkt und den Isthmos von Korinth unpassierbar gemacht. 1600 Dörfer und Ortschaften waren zerstört, zirka 350 000 Häuser dem Erdboden gleich gemacht. Hunderttausende Menschen hatten keine Obdach. Jeder dritte Grieche litt an Infektionskrankheiten wie Malaria, Typhus oder Tuberkolose. Ihr Sterben zog sich über Jahre hin. Am Ende des Krieges war das Land zerstört und zerrüttet.“ (konkret 4/2015)

 

Nur am Rande: Bis heute hat Deutschland keine Reparationen an Griechenland gezahlt. Auch ein großer Zwangskredit, den sich Deutschland von Griechenland hat geben lassen, ist bis heute nicht getilgt. Stattdessen verlangt gerade Deutschland heute von Griechenland unerbittlich seine Schuldentilgung. Koste es an Menschenopfern was es wolle.

 

Die größten Opfer jedoch brachte die Sowjetunion.

 

Dank der Sowjetunion

 

Ca. 27 Millionen Tote hatte die Sowjetunion zu beklagen. „ Weite Teile des Landes waren durch den Krieg, die Besatzungsherrschaft und die deutsche Politik der ‚verbrannten Erde‘ in eine Wüste verwandelt worden. Die Sowjetunion verlor 31.850 Industrieunternehmen, bzw. etwa ein Drittel der zivilen Produktionsanlagen. Ganze Regionen, vor allem Weißrussland, der Ukraine, dem nördlichen Kaukasus und Teilen Zentralrusslands waren Trümmerfelder, Straßen, Brücken und Schienen zerstört, Gewerbe und Landwirtschaft weitgehend ausgestorben. Städte wie Leningrad, Stalingrad und Kiew sollten vorrangig wieder aufgebaut werden.“ (Konkret 5/2015) Doch es mangelt sowohl an Material als auch an intakten Produktionsanlagen.

Auch die 2. SS Elite Panzer Division „Das Reich“ trieb in der Sowjetunion ihr Unwesen, bis sie im Februar 1944 nach Südfrankreich verlegt wurde. Die Division trägt die Verantwortung für zahlreiche Massaker und andere Kriegsverbrechen. Am bekanntesten ist dabei wohl das Massaker von Oradour. 642 Menschen, darunter 207 Kinder und 254 Frauen brachten die verrohten Barbaren dort kaltblütig um. Zuerst trennten sie die Frauen und Kinder von den Männern. Die Männer wurden in eine Scheune getrieben. Frauen und Kinder in die Dorfkirche verbracht. Nachdem sie aus reinem Vergnügen Scheune und Kirche beschossen und mit Handgranaten beworfen hatten, zündeten sie diese und die Kirche an und verbrannten die sich dort drin Befindenden bei lebendigem Leib. Jeder  der fliehen wollte, wurde erschossen. Es gab nur eine schwerverletzt Überlebende. Danach feierten die Täter noch bis in die frühen Morgenstunden. Einen Tag vorher, am 9.Mai 1944, erhängten sie in der Department Stadt Tulle‘ 98 willkürlich ausgewählte Einwohner als Vergeltungsaktion wegen eines wenige Tage vorher stattgefundenen Partisanenangriffs. Als der Pfarrer der Stadt während der Hinrichtungen darum bat damit einzuhalten, sagte ihm der kommandierende deutsche Offizier sinngemäß: ‚Sie hätten keine Probleme damit, das hätten sie in der Sowjetunion gelernt und viel hundertfach durchgeführt. Sie hätten aus den Städten die „Wälder der Gehängten“ gemacht. Sie beendeten die Hinrichtungsaktion erst als ihnen die Stricke ausgingen.

Und in der Tat. Vielfach wurden in der Sowjetunion in den Straßen an den Balkonen und Fenstern die Menschen aufgehängt. Allein 628 Dörfer wurden in der Sowjetunion nach dem gleichen Muster wie Oradour vernichtet.[8]

 

Der 8. Mai muss zum Gedenk- und Feiertag werden

 

Das unendliche Leid, das Schicksal jedes Einzelnen Opfers der Nazis ist für uns schwerlich zu begreifen. Doch zu begreifen ist wohl, das bei so vielen Dutzend Millionen Toten, so vielen Hundert Millionen Leidenden, der 8. Mai 1945 ein Tag der Befreiung war und heute zum Nachdenken und Gedenken dienen sollte.  Deshalb begrüßen wir die folgende Aussage des Parteivorstandes LINKEN von Ende März diesen Jahres: „Der 8. Mai 1945 markiert den Sieg über faschistische Barbarei und Krieg. Er beendete das millionenfache Morden der Nazis. Damit der 8. Mai als Tag der Befreiung von der faschistischen Barbarei, als Gedenktag für Humanität, Toleranz und Demokratie und als Tag der Erinnerung an die Opfer sowie an die Widerstandskämpfer*innen in der gesellschaftlichen Erinnerung den Platz bekommt, der ihm gebührt, wollen wir, dass der 8. Mai ein bundesweiter gesetzlicher Gedenk- und Feiertag wird.

 

Weizsäcker sagte in seiner bekannten Rede:

 

Wir denken an die Opfer des Widerstandes in allen von uns besetzten Staaten.

Als Deutsche ehren wir das Andenken der Opfer des deutschen Widerstandes, des bürgerlichen, des militärischen und glaubensbegründeten, des Widerstandes in der Arbeiterschaft und bei Gewerkschaften, des Widerstandes der Kommunisten.

Wir gedenken derer, die nicht aktiv Widerstand leisteten, aber eher den Tod hinnahmen, als ihr Gewissen zu beugen.

 

 

Ca. eine Million Soldaten Frankreichs, Großbritanniens und der USA und ca. 19 Millionen Sowjetsoldaten mussten für die Beendigung des Albtraums des Faschismus ihr Leben lassen.

 

-Wir können deshalb gut nachvollziehen, dass am 19. April 1945 bei einer Trauerfeier der etwa 21.000 Überlebenden des befreiten KZs Buchenwald „den verbündeten Armeen der Amerikaner, Engländer, Sowjets und allen Freiheitsarmeen, die uns und der gesamten Welt Frieden und das Leben erkämpfen.‘“ gedankt wurde und schließen uns dem an.

 

-In Gedenken an Hans Bauer, eines Kommunisten aus Reinbek, und seines Gleichen auch in Stormarn

 

- In Gedenken aller Opfer, aller Gefolterten, durch die SS, auch  im Blauen Haus in Bad Oldesloe

 

-In Gedenken an die Verstorbenen, Getöteten und Ermordeten der KZ’s und Lager auch in Glinde Wiesenfeld

 

-In Gedenken an die vielen Dutzenden von Millionen Toten Soldaten und Zivilisten die auf das Konto der Nazis gehen

 

-Bitte ich darum aufzustehen und eine Gedenkminute einzulegen.

 

 

 



[1]
                        [1] Zit. n. www.wsws.org , 17.06.2010

 

[2]
                        [2] Zit. n. www.german-foreign-policy.com, 15.06.2010

 

[3]
                        [3] Zit. n. www.wsws.org , 10.08.2013

 

[4]  Aus einer Rede vom 18.09.2013

[5] Aus einem Redemanuskript vom 26.11.2011

[7] Rede am 8. Mai 2012

[8] „Eine Blutspur durch Frankreich“, Dokumentation 12.04.2015; Arte