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9. April 2022

DIE LINKE. Bad Oldesloe gedenkt neunzigsten Jahrestag der Verurteilung von Sacco und Vanzetti

Heute vor 90 Jahren wurde das Todesurteil gegen die beiden in die USA eingewanderten Arbeiter Ferdinando „Nicola“ Sacco und Bartolomeo Vanzetti gesprochen.

 

 

 

Sie wurden der Beteiligung an einem Raubmord angeklagt und 1921 nach einem skandalösen Prozess schuldig gesprochen. Nach mehreren abgewiesenen Revisionsanträgen der Verteidiger folgte am 9. April 1927, nach sieben Jahren Haft, das Todesurteil. In der Nacht vom 22. auf den 23. August 1927 wurden Sacco und Vanzetti im Staatsgefängnis von Charlestown auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet.

 

Beide waren aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit unschuldig und wurden Opfer der damaligen hetzerischen Stimmung gegen politisch Andersdenkende und Ausländer. Viele Historiker verweisen unter anderem auf fremdenfeindliche Äußerungen des Richters, sowie des Geschworenensprechers („Man sollte sie auf jeden Fall aufhängen!“) und das die wenigen Beweisstücke gefälscht wurden. Bereits 1927 erschien dazu das Buch des amerikanischen Juristen Felix Frakfurters Buch The Case of Sacco and Vanzetti: A Critical Analysis for Lawyers and Laymen, in dem dieser dem Richter Thayer und der Staatsanwaltschaft ein verheerendes Zeugnis ihrer Arbeit ausstellt.

 

Sowohl der Schuldspruch als auch das letztliche Urteil vom 9. April 1927 hatten weltweite Massendemonstrationen zur Folge. Kritiker warfen der US-amerikanischen Justiz vor, es handele sich um einen politisch motivierten Justizmord auf der Grundlage fragwürdiger Indizien. Entlastende Hinweise seien unzureichend gewürdigt oder sogar unterdrückt worden. Hunderttausende von Menschen beteiligten sich an Petitionen und versuchten damit, einen Aufschub oder die Aussetzung der Urteilsvollstreckung zu erreichen.

 

Am Vorabend der Hinrichtung riefen allein in Berlin 40 kommunistische, sozialistische, gewerkschaftliche, anarchistische, pazifistische und humanistische Organisationen zu Demonstrationen in 24 Stadtbezirken auf. Tausende beteiligten sich, darunter ganze Betriebsbelegschaften. Am Tag nach der Hinrichtung fanden deutschlandweit Trauerkundgebungen statt. In den meisten Zechen des Ruhrgebiets fanden Belegschaftsversammlungen statt. In Berlin folgten etwa 150.000 Menschen dem Aufruf der KPD zu einer der größten Demonstrationen der Weimarer Republik.

 

"Die Atmosphäre ihres Verfahrens und ihrer Revisionen war durchdrungen von Vorurteilen gegen Ausländer und Feindseligkeit gegenüber unerwünschten politischen Ansichten. Das Verhalten von vielen der Offiziellen in diesem Fall wirft einen ernstlichen Zweifel auf ihre Bereitschaft und ihre Fähigkeit, die Verfolgung und das Verfahren fair und unvoreingenommen durchzuführen. Heute muss man es offen sagen, es war ein Justizmord, der klar den rassistischen Vorstellungen des Richters entsprungen ist. Dieser Fall muss uns eine Warnung sein, auch in unserer Zeit 90 Jahre danach, gibt es leider auch in unserem Land immer noch Richter und Staatsanwälte die rassistische Ideen verfolgen und entsprechend urteilen. Dagegen muss die Zivilgesellschaft entschlossen kämpfen, denn ein Faires Verfahren ist ein Menschenrecht, für das wir alle einstehen müssen", sagte Hendrik Holtz; Ortssprecher DIE LINKE. Bad Oldesloe.