Zur Zeit wird gefiltert nach: Kreistagsfraktion Stormarn

Detailansicht
28. Oktober 2016

Armut in einem reichen Kreis

Der Süden Schleswig-Holsteins wird auch der Speckgürtel Hamburgs genannt. Knapp 40 000 € beträgt das Durchschnittseinkommen eines Steuerpflichtigen. Damit ist Stormarn der zehntreichste Kreis in Deutschland, in so schmucker Gesellschaft mit Starnberg, Hochtaunuskreis und Landkreis München. Auf Immobilienportalen wird damit geworben, es wird ein gehobenes Wohnumfeld herausgestellt mit den entsprechenden gehobenen Komfortwohnungen, und das alles auf höchstem Anspruchsniveau, versteht sich.

Aber Stopp. Dies ist nur die eine Seite der Medaille. Wie der Kinderschutzbund in dieser Zeitung am 21. September berichtet hat, leben in unserem reichen Kreis rund 7.000 Kinder in Armut, über 15% sind auf Hartz IV angewiesen; viele davon können z.B. nicht an Ferienprogrammen teilnehmen, weil die Familie das Geld nicht hat.

Und es kommt noch schlimmer: Bei Hartz IV sollen die Kosten für Lebensmittel für Kinder gesenkt werden, so dass für sie – wieder der Kinderschutzbund – nur noch 2,76 € pro Tag für Essen und Trinken zur Verfügung stehen. Hier sollte der Kreis mit Hilfsprogrammen unbedingt eingreifen.

Wenn er es denn überhaupt will. Es drängt sich mehr als der Verdacht auf, dass der Reichtum und die weitgehende Entschuldung dieses Kreises der mangelnden Solidarität mit den Armen und Benachteiligten geschuldet ist. Oder wie es bei Brecht in einem Kindergedicht heißt: Reicher Mann und armer Mann standen da und sahn sich an. Und der Arme sagte bleich: »Wär ich nicht arm, wärst du nicht reich«.

Beispiele für soziale Defizite lassen sich genug finden: So wurden Beförderungsmöglichkeiten für Rollstuhlfahrer gestrichen, der soziale Wohnungsbau vernachlässigt, Hilfe für Mieten für Hartz IV-Empfänger gedrückt, Schulbegleitung für behinderte Kinder nur nach Klagen bezahlt, um nur einige der Grausamkeiten zu nennen.

Was ist zu tun? Das Grundgesetz legt in Artikel 20 fest: 1) Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat.“

Sorgen wir dafür, dass das Soziale im Kreis Stormarn wieder mehr Gewicht bekommt.


Heidi Beutin, Kreistagsabgeordnete, DIE LINKE