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16. August 2018

Kinderarmut und soziale Schere

Vor kurzer Zeit stellte der Kinderschutzbund die 3. Auflage seines Armutsatlas für Stormarn vor, in dem die Kinderarmut in unserem Kreis dokumentiert wird. Die Ergebnisse sind niederschmetternd. Die Kinderarmut ist in einem der reichsten Kreise der Bundesrepublik Deutschland nicht nur immer noch unerträglich hoch, sie ist stetig angestiegen. Allen Jubelmeldungen über niedrige Arbeitslosigkeit in Stormarn zum Trotz, ist die Armut also in den letzten Jahren tatsächlich gewachsen, das zeigt der Bericht überdeutlich, denn Kinderarmut ist immer auch ein Indikator für die Armut der Eltern. Vor allem in Bad Oldesloe und Glinde, wo bis zu einem Drittel der Kinder Sozialleistungen in Anspruch nehmen müssen, ist das Bild ausgesprochen düster. Das widerspricht der Selbstdarstellung unseres Kreises als wohlhabenden, finanziell wohlgeordneten Kreises, in dem es sich gut leben lässt. Auch hier hat sich die soziale Schere immer mehr geöffnet, Menschen mit großem Vermögen und gutem Einkommen stehen immer mehr Menschen gegenüber, für die das tägliche Leben von Armut geprägt ist. Für Kinder, die von der Lebenswelt der Mehrheit ihrer Altersgenoss*innen abgeschnitten sind, die sehen, dass es für ihre Eltern immer schwer und oft unmöglich ist, ihnen zu ermöglichen, was bei anderen selbstverständlich scheint, ist das besonders hart. Die steigende Armut hat viele Gründe, von denen sich viele nicht einfach auf Kreisebene beheben lassen. Dennoch kann und muss in einem reichen Kreis wie Stormarn lokal gehandelt werden, um jedenfalls die Folgen der Armut zu mindern und Rahmenbedingungen zu schaffen, die Wege aus der Armut eröffnen. Dazu gehört ein kostenloses, gutes Schulessen für alle Schulkinder, die kostenlose Nutzung des ÖPNV für alle Kinder und Jugendlichen, Studierenden und Menschen in Ausbildung und Sozialtickets für finanziell schwache Menschen in unserem Kreis. Betreuung in Kita und Schule muss bezahlbar sein und so gestaltet, dass auch Alleinerziehende – die Gruppe mit dem größten Armutsrisiko – in der Lage sind, eine Vollzeitstelle anzutreten. Bei Ansiedlung von Betrieben und Vergabe von Aufträgen muss darauf geachtet werden, dass nicht mehr prekäre Arbeit, sondern solche Arbeitsplätze entstehen, von denen Menschen auch vernünftig leben können. Angesichts von Überschüssen im Kreis ist es nicht vermittelbar, dass den Menschen, die von Armut betroffen sind, nicht jede Hilfe zukommt, zu der unser reicher Kreis und seine Kommunen in der Lage sind.

Florian Kautter, Die Linke, Abgeordneter im Kreistag Stormarn