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15. September 2018

Sozialwohnungen oder Kino – ist das wirklich hier die Frage?

Erik Schrader

Liebe Ahrensburgerinnen, liebe Ahrensburger,

in unserer Stadt wurde zuletzt viel diskutiert über Wohnungsnot und die Frage, wo denn überhaupt noch Wohnungen entstehen könnten. Die letzte größere zusammenhängenden Flächen (neben dem Stormarnplatz), welche der Stadt überhaupt noch gehört, ist der heutige Parkplatz „An der Reitbahn“. Hier gibt es eine Einigkeit aller Parteien in der Ahrensburger Stadtverordnetenversammlung darüber, dass diese Fläche bebaut werden soll. Nur über das Wie gibt es teilweise heftige Differenzen. Nach dem derzeit zur Diskussion vorliegenden Plan eines privaten Investors sollen dort 77 Wohnungen entstehen. Davon sollen max. 14 Wohnungen sozial gefördert werden, was einer Quote von 18% entspräche. Dabei ist es eigentlich unausgesprochener Konsens unter den Parteien, dass bei größeren Bauprojekten mindestens die 30%-Quote erreicht werden muss, um dem Bedarf gerecht zu werden. Zu dem Bauprojekt gehört außerdem die Planung, dass der Edeka-Markt vom Bahnhof mit auf die „alte Reitbahn“ zieht und somit diese Fläche neben dem Park-und-Ride-Haus für ein Kino zur Verfügung stünde. Der Investor ist bereit, dort ein Kino zu errichten, falls die Konditionen an der Reitbahn für ihn stimmen – das heißt der Grundstückspreis darf nicht zu hoch sein und der Anteil der Sozialwohnungen muss niedrig sein, denn hier ist die Gewinnmarge nicht sehr hoch.

Der nach der Kommunalwahl im Mai neu zusammengesetzte Bau- und Planungsausschuss hat das Projekt vertagt, da absehbar war, dass keine Mehrheit zusammenkommen würde. Die CDU hätte wohl als einzige Fraktion zugestimmt. Die WAB plädierte für die 30% Sozialwohnungen, es blieb aber etwas unklar, mit welchem Nachdruck sie daran im Ernstfall festhalten wird. Die Grünen wollen den Knick erhalten, der bei der Bebauung mit 77 Wohnungen nicht zu erhalten gewesen wäre. Würde der Knick überbaut werden, muss allerdings muss auch eine dreimal so große Ausgleichsfläche geschaffen werden. Die FDP forderte mehr Parkplätze, die SPD lehnt den Edeka Markt ab und möchte eine ausschließliche Wohnbebauung und DIE LINKE plädierte selbstverständlich ebenso für mindestens 30% sozialen Wohnungsbau – und das nur, weil die Mehrheitsverhältnisse so sind wie sie eben sind. Denn was Ahrensburg eigentlich braucht, ist eine städtische Wohnungsbaugesellschaft, damit die Stadt selbst Wohnungen bauen und vermieten kann. Eine städtische Wohnungsbaugesellschaft muss keine Gewinne machen. Sie kann also sozial geförderten Wohnraum anbieten und sie kann darüber hinaus Wohnungen für all jene anbieten, die zwar keinen Anspruch auf eine Sozialwohnung haben, die sich aber dennoch in Ahrensburg keine Wohnung leisten können. Wir klagen über einen Mangel an Erzieherinnen und Pflegerinnen; Wir klagen über die hohe Verkehrsbelastung durch Pendler; aber wir sind als Stadt nicht bereit, Geringverdienern ein Wohnungsangebot zu bieten?!Wir müssen das Problem von Grund auf angehen. Wir werden also nicht umhinkommen, neue Flächen für den Wohnungsbau zu definieren und andere Flächen auch in vertretbarem Maße zu verdichten.

Die Idee eines Kinos unterstützt DIE LINKE weiterhin. Wir wissen, dass insbesondere Jugendliche und junge Familien davon profitieren können, wenn sie sich die Fahrtkosten nach Hamburg oder Bargteheide sparen können. Wir können es aber nicht zulassen, dass für ein Kino die Wohnungsnot in der Stadt so erschreckend vernachlässigt wird. Oder deutlicher gesagt: Wir lassen uns das Kino nicht die Obdachlosigkeit von Menschen kosten.

Erik Schrader – DIE LINKE

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