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24. Juli 2020

Erik Schrader: Beitrag zur Rassismusdebatte in der Zeitung "Markt" Ahrensburg

Schimmelmann, Rust, Bonsels, … heute noch der Ehre wert?

 

Der mutmaßliche Mord an Georg Floyd führt aktuell auch in Deutschland und in Ahrensburg zu Diskussionen über Rassismus und unsere Kolonialgeschichte. DIE LINKE. begrüßt diese Diskussion, denn sie kann uns nur helfen, uns unserer Vorurteile und unserer mehr oder weniger kleinen oder großen rassistischen Ressentiments bewusst zu werden. Diese Diskussion macht uns alle zu Gewinner_innen, denn wir werden etwas aus ihr lernen. Dabei ist es zunächst mal egal, wie wir zu dem Thema Umbenennung von Straßen stehen, wie sie aktuell von Bündnis90/DIE GRÜNEN in Ahrensburg in die Diskussion gebracht wird. Dankenswerter Weise treten auch die grünen Kolleg_innen nicht mit einer fertigen Meinung auf, sondern regen eine Diskussion über Kriterien zu Ehrungen durch Straßennamen an. Auch dadurch können wir nur miteinander gewinnen und lernen. Wir unterstützen diesen Vorschlag deshalb ausdrücklich.

 

Bis jetzt habe ich zwei wesentliche Einwände gegen Straßenumbenennungen in Ahrensburg wahrgenommen.

 

1. Es gibt nun wirklich wichtigere Themen. Ja, das sehen wir auch so. Konkrete Maßnahmen zur Bekämpfung von Armut in Deutschland und weltweit gehören für uns in diese Kategorie. Jetzt in den Sommerferien denken wir z.B. an die hohen Kosten die mit Einschulungen verbunden sind. Hier ist längst eine tatsächliche Lehrmittelfreiheit gefordert. Wichtiger als der Sklavenhandel von vor ca. 300 Jahren ist auch der Waffenexport deutscher Rüstungskonzerne von heute. Wichtiger ist natürlich auch die Rettung des Klimas. Aber all das hindert uns nicht, uns trotzdem auch dem Thema unserer kolonialistischen Vergangenheit zu stellen und sie aufzuarbeiten.

 

2. Das Ganze ist doch viel zu teuer. Adressen, Briefköpfe etc. müssen geändert werden. Ja, das mag Kosten verursachen und auch lästig sein. Ich bitte Sie jedoch, in ihre Gedanken und Diskussionen auch die möglichen Gedanken und Gefühle farbiger Menschen mit einzubeziehen. Mir als weißem Mann ist es nicht möglich, strukturellen Rassismus oder Sexismus zu erfahren. Ich werde in unserer deutschen Gesellschaft nicht strukturell benachteiligt, nicht wegen meiner Hautfarbe oder meines Geschlechts in meiner beruflichen Entwicklung behindert. Ich werde nicht beäugt, fast nie von der Polizei kontrolliert oder als Teilnehmer bei Demonstrationen unter Generalverdacht gestellt. Farbigen Menschen passiert all das regelmäßig. Wie mögen sich diese Menschen fühlen, wenn wir ehemalige Sklavenhändler, die eben diesen Rassismus gegen Farbige maßgeblich begründet haben, durch Straßennamen ehren? Spätestens jetzt sollten wir doch nicht mehr über die Kosten reden. Und wenn es in Einzelfällen doch zu extremen finanziellen Härten führen würde, könnte auch die Stadt Ahrensburg sich an den Kosten der Bürgerinnen und Bürger beteiligen.

 

Erik Schrader – DIE LINKE Ahrensburg