Zur Zeit wird gefiltert nach: Ortsverband Ahrensburg/Trittau

Detailansicht
10. November 2014

Zum Bericht über die Fälle sexuellen Missbrauchs

Wir Ahrensburger, die wir nicht betroffen sind, äußern unseren Respekt gegenüber Anselm Kohn, den Opfern und den Mitgliedern der Mahnwachen, die bis jetzt mit Enttäuschungen und zugleich mit viel Kraft und Ausdauer darauf gehofft haben, dass die Kirche auf die sexuellen Missbrauchsfälle in Ahrensburg offiziell reagiert. Das hat sie jetzt getan.

Am 16.10. haben Vertreter des Kirchenkreises Hamburg-Ost (KK HH-Ost) in der Schlosskirche den Bericht zu den kriminellen Übergriffen im Bereich der Nordkirche, früher Nordelbische Kirche, in Kurzfassung vorgestellt. Dieser Bericht war schon am Vortag in verschiedenen Medien teils erwähnt, teils dargestellt worden. Der Bericht über die sexuellen Missetaten umfasst ca. 500 Seiten; ein auswärtiges Expertenteam hat ihn im Auftrag der Kirchenleitung verfasst. Es hat sich dabei auf Gespräche mit Betroffenen, auf Interviews mit Beteiligten und auf vielfältige andere Quellen gestützt.

Es ist sehr zu begrüßen, dass die kirchlichen Gremien beschlossen haben, diesen Bericht in seinem gesamten Unfang und ungekürzt im Internet zu veröffent-lichen (www.kirchegegensexualisiertegewalt.nordkirche.de), so dass interes-sierte Bürger ihn lesen können. Hier wird das ganze Ausmaß der Verfehlungen und der völlig unbegreiflichen Handlungen, besonders auch in der Kirchenge-meinde Ahrensburg, erschreckend deutlich.

Es ist „denkunmöglich“ (so der Bericht), was Angehörige der Kirche sich haben zuschulden kommen lassen. Alle kirchlichen Ebenen: der Kirchengemeinderat, der Kirchenkreis, die Bischöfin, die Landeskirche – alle haben versagt, weil sie diese Taten teils nicht ernst genommen haben oder nicht ernst nehmen wollten, teils weil sie sie vertuscht haben.

Dass der Bericht allerdings von 2 Mitgliedern der Kirchenleitung aus dem KK HH-Ost vorgestellt wurde, die selbst in unterschiedlicher Weise verstrickt waren, ist heftig kritisiert worden.

Die jetzt entscheidenden Fragen lauten: Wie wird die Kirche in Zukunft mit den Opfern umgehen, wie mit den Tätern? Der KK HH-Ost und die Bischöfin haben Arbeitskreise und Kommissionen eingesetzt, die Regelungen und entsprechende Vorschriften erarbeiten. Wir werden sehen, welche konkreten Maßnahmen ergriffen werden.

Ich betone: Es ist ein großer Schritt der Kirche, dass sie diesen Bericht, in dem sie selber scharf  kritisiert wird, in dieser Ausführlichkeit veröffentlicht hat. Das ist sie den Opfern schuldig. Für die Opfer ist es ein erster Schritt, ihr Leid anzuerkennen und sie ernst zu nehmen.

Gastkommentar von Joachim Land, Die Linke im Ahrensburger Markt