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14. Oktober 2016

Kinderarmut – und was dagegen zu tun wäre

Ende September äußerte Birgitt Zabel, die Vorsitzende des Kinderschutzbundes Stormarn, daß hier, in einem vergleichsweise reichen Kreis, etwa 7000 Kinder in Armut leben, d.h. jedes sechste Kind. Frau Zabel sowie der Geschäftsführer des Bundes, Ingo Loeding, und der Präsident des Kreistags, Hans-Werner Harmuth, erörterten Maßnahmen zur Verbesserung der Situation, etwa die Schaffung eines Hilfsfonds der Kommunen für arme Kinder und Familien. Ebenfalls in diesen Tagen veröffentlichte die Presse die Liste mit Namen der reichsten Deutschen, von denen die zehn begütertsten (geschätzt) jeweils zwischen 9 und 30 Milliarden Euro besitzen. Gleichzeitig war zu lesen, daß die Topmanager der dreißig deutschen „Spitzenkonzerne“ im Schnitt ein 57 mal höheres Jahresgehalt beziehen als ein einfacher unter ihnen beschäftigter Angestellter oder Arbeiter. Ja, einige Firmen bezahlen jeder ihrer Führungskräfte mehr als das Hundertfache im Vergleich mit dem Gehalt eines einzelnen Angestellten oder Arbeiters.

Bereits vor einem Jahrhundert argwöhnte der Wiener Kritiker Karl Kraus angesichts der Summen, die in der florierenden Wirtschaft flossen, daß in einem Staat, der solchen Übelstand toleriere, entweder die Polizei oder die Justiz oder beide versagten. Dieser Aussage entspricht in etwa, was Loeding soeben betonte: es wären „tiefgehende Eingriffe in die Sozial- und Steuerpolitik unseres Landes nötig“! Diese aber – so setzte er pessimistisch (oder realistisch?) hinzu –, seien hierzulande nicht alsbald zu erwarten. Daher beschränkte er seine Forderungen, die regional in den Kommunen schon jetzt erfüllbar seien, auf einen Katalog von sieben Maßnahmen, darunter den erwähnten Hilfsfonds (nach dem Muster des Hilfsfonds des Kinderschutzbunds).
Den vollständigen Katalog begrüßt die Linke uneingeschränkt, ohne doch die Forderung der „tiefgreifenden Einschnitte“ fallen zu lassen.
Der Druck der realen Not wird den Gesetzgeber eines Tages zwingen, sie vorzunehmen.

Heidi Beutin, Abgeordnete der Linken im Kreistag Stormarn