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12. Oktober 2018

„Alles richtig gemacht“?

„Alles richtig gemacht“ In diesem kurzen Satz erschöpft sich in den Kommentarspalten die Reaktion vieler Menschen auf den Tod eines obdachlosen jungen Mannes im Rahmen eines Polizeieisatzes hier in Bad Oldesloe. Offenbar haben viele Menschen das Bedürfnis, deutlich zu machen, dass sie keinerlei Grund zur kritischen Betrachtung des Vorganges und seiner Vorgeschichte sehen. Man soll offenbar bitte schnell wieder zur Tagesordnung übergehen. Der Tod des jungen Mannes ist scheinbar unausweichlich, so der Tenor. Es war halt notwendig, „Alles richtig gemacht“.

Doch ist das so? Selbst wenn die Untersuchung der Todesschüsse, die offenbar viele erst gar nicht benötigen, um ein positives Urteil zu fällen, ergeben sollte, dass die Polizei an dem Tag nicht anders handeln konnte, haben wir dann „Alles richtig gemacht“? Ein junger Mann ist tot. Er war psychisch offenbar schwer krank. Ein Polizist ist unter Schock, weil er einen Menschen getötet hat. Kann das das Ergebnis davon sein, dass wir „Alles richtig gemacht“ haben? Wir denken nicht. 

Viele Bad Oldesloerinnen und Bad Oldesloer berichten, dass sie dem jungen Mann Hilfe angeboten haben, die er oft abgelehnt hat. Das ist bei einer psychischen Erkrankung nicht unwahrscheinlich. Dennoch brauchte er offensichtlich Hilfe, die ihm einzelne hilfsbereite Menschen gar nicht geben konnten. Er und viele andere brauchen medizinische Hilfe, fachlich fundierte psychiatrische Hilfe, die die Bürgerinnen und Bürger der Stadt als Privatpersonen gar nicht geben können. Wir müssen uns fragen, wie es sein kann, dass ein offensichtlich verwirrter junger Mann lange in unserer Stadt gelebt hat, ohne dass wir ihm zu solcher Hilfe verhelfen konnten? Warum haben wir keine Möglichkeiten Menschen zu helfen, die nicht in der Lage sind, selbst Hilfe zu suchen, diese vielleicht sogar ablehnen, bevor sie in extreme Situationen geraten? Können wir Wege finden Menschen mit schweren Erkrankungen in Behandlung zu bekommen, bevor es gefährlich wird? Wenn wir darauf Antworten finden, dann sinkt die Gefahr, dass ein Polizist überhaupt in die Situation kommt, in der er die Entscheidung treffen muss, ob er schießt oder nicht. Das sollte doch unser Ziel sein. Dann hätten wir Alles richtig gemacht.

Wer sich jetzt aber gar keine Fragen stellt, wird auch keine Antworten außer seinen Ressentiments bekommen. Dann landet man bei der autoritären Hoffnung, dass die Staatsmacht es regelt, im Notfall mit Gewalt, wenn ein Mensch, den wir als Gesellschaft offensichtlich aufgegeben hatten, nicht mehr nur in den dunklen Ecken unserer Stadt verschwindet, sondern Dinge tut, die bedrohlich wirken. Wir sollten unsere Menschlichkeit nicht so weit aufgeben, dass uns das reicht.