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30. November 2020

Corona Maßnahmen treffen gesundheitlich eingeschränkte Menschen zusätzlich härter.

Außergewöhnliche Situationen erfordern außergewöhnliche Maßnahmen. So auch mit Corona. Das bedeutet private Einschränkungen im Alltag. Die Folgen daraus sind Einnahmeeinbußen im Einzelhandel, auch in Ahrensburg. Neben der Maskenpflicht leidet das soziale und menschliche Miteinander, dass unsere Stadt im hohen Maße ausmacht. Sozial eingeschränkte Kontakte einzuhalten ist eine unüberwindbare Barriere, besonders für vereinsamte und gesundheitlich eingeschränkte Mitmenschen, da ist ein Bummel in unserer Stadt für viele eine wohltuende Abwechslung. Wenn dann noch Maßnahmen von namhaften Einzelhandelsgeschäften in Ahrensburg, den Besuch durch erweitert Hausrecht/Ordnung erschweren, indem ärztliche Atteste generell nicht anerkannt werden, dann bleiben viele Mitbürger der Innenstadt fern, aus Befürchtung am Eingang vom Sicherheitspersonal beim Betreten des Geschäftes ausgeschlossen zu werden. Das trifft auf Personen zu, denen man nicht auf Anhieb eine gesundheitliche Einschränkung anmerkt, bei Menschen mit entsprechenden medizinischen Hilfsmitteln ist das ersichtlich. Der Einzelhandel hat mit Änderungen und ebenfalls mit Unsicherheiten zu tun und sieht sich dementsprechend veranlasst, sich der neuen Situation anzupassen.

Jeder von uns wird in diesen Zeiten zu Akzeptanz für Beschränkungen im Alltag angehalten. Das kann jeder verstehen. Der bereits gebeutelte Einzelhandel konkurriert seit Jahren mit dem Onlinehandel und die Innenstadt droht an Kaufkraft und Attraktivität zu verlieren. Wenn dann noch Kunden fernbleiben, die gesundheitlich nicht in bestimmte Geschäfte einkaufen können, gewinnt niemand. Da hilft es auch wenig, wenn die Ahrensburger Lokalpolitik für jeden Bürger_in dieser Stadt ein sogenanntes Stadtgeld in Form von Gutscheinen in Aussicht stellt. Diese einmalige Aktion wird ein Strohfeuer bleiben. Fraglich ist, ob damit der hiesige Einzelhandel eine neue Blütezeit erlebt. Das darf gerne bezweifelt werden. Es geht hierbei nicht darum, bestimmte namhafte Geschäfte als Sündenbock hinzustellen, sondern vielmehr darum, dass gesundheitlich eingeschränkte Menschen zusätzlich vom Besuch in der Stadt und Geschäften abgeschreckt und so indirekt ausgeschlossen werden. Die aktuellen und in Zukunft weitgehenden Corona Maßnahmen treffen kranke und einsame Mitmenschen in dieser Stadt zusätzlich härter.

Kollektive Ablehnungen ärztlicher Atteste, die mit einer Begründung argumentiert, dass diese eventuell aus dem Internet ausgedruckt wurden, verunsichert enorm. So ein unglückliches Argument spaltet zusätzlich und ein offener Dialog mit dem Thema „Corona Maßnahmen“ wird immer unwahrscheinlicher. Zur Wahrheit gehört auch dazu, dass nicht berechtigte ausgestellte ärztliche Atteste sich im Umlauf befinden, ist eine schwierige Abwägungssache. Aufgefallen ist, dass in Ahrensburg gesunde Bürger mit Masken unterwegs sind und gesundheitlich eingeschränkte Mitmenschen sind aus der Öffentlichkeit plötzlich verschwunden. Isolation macht auch krank. Vergessen wird auch, dass nicht jeder die Möglichkeit hat, sich auf seine Nachbarn zu berufen oder das vonseiten derer Hilfsangebote gemacht werden können oder gewollt wird. Diese wird dann von Institutionen in Ahrensburg übernommen, die allerdings auch nicht jedem bekannt sind oder darauf aufmerksam gemacht wird. Wenn man Hilfe in Anspruch nehmen möchte, fallen eventuell Gebühren und Kosten an, die nicht jeder aufbringen kann. Zum Beispiel Einkäufe erledigen, weil man das Haus nicht verlassen darf. Nichts wird einem im Leben geschenkt, besonders nicht in Corona Zeiten. Über Extrakosten und Zeitaufwand für Hilfen in Coronazeiten bleibt ein Tabuthema und sollte öffentlich thematisiert werden.

Oliver Böge, Ahrensburg