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26. Oktober 2021

Die LINKE. Bad Oldesloe ist empört über Bundeswehrwerbung in Schulnähe

"Das die Bundeswehr in Bad Oldesloe in Schulnähe der Theodor Mommsen- und Ida Ehre Schule Werbung an Großwänden platziert, ist für DIE LINKE. Bad Oldesloe absolut inakzeptabel!

Diese aggressive Werbestrategie der Bundeswehr ist auch in Stormarn nichts Neues, wird sie doch gebraucht um die Lücken zu füllen. Die Bundeswehr benötigt jährlich rund 20.000 neue Rekrut*innen. Um diese Zahl zu erreichen, werden die Werbemaßnahmen insbesondere an Schulen stark ausgeweitet und jedes Jahr Minderjährige als Soldat*innen rekrutiert: 2019 waren es etwa 1.700 17-Jährige und 2020 ein Drittel weniger, nämlich etwa 1.100, darunter 231 junge Frauen. Die Jugendlichen erhalten dieselbe militärische Ausbildung an der Waffe wie erwachsene Soldat*innen und werden dann oft schon bald nach Erreichen der Volljährigkeit in Auslandseinsätze geschickt. In den letzten zehn Jahren hat die Bundeswehr rund 15.000 Minderjährige als Soldat*innen rekrutiert. Aber die Zahlen sinken beständig, zum Leidwesen der Führungskräfte. Und so versucht die Bundeswehr vermehrt mit Plakaten, Handouts und sogenannten Jungoffizier*innen in den Schulen Werbung zu machen, spannende Geschichten und schöne Flyer von fernen Orten inklusive. Aber Krieg ist kein Spiel, sondern die Mutter allen Übels!

 

Die politische Bildung – gerade in Fragen der Sicherheitspolitik – gehört in die Hand der dafür ausgebildeten pädagogischen Fachleute und nicht in die von Jugendoffizier*innen. DIE LINKE. Bad Oldesloe fordert die Landesregierung auf, entsprechende Passagen in Kooperationsabkommen zu streichen sowie eine strenge Beachtung des Beutelsbacher Konsenses zu gewährleisten. Lehrkräfte müssen souverän entscheiden können, ob sie in ihrem Unterricht externen Sachverstand hinzuziehen wollen oder nicht, denn unsere „Lehrerinnen und Lehrer sind Fachleute für das Lernen, ihre Kernaufgabe ist die gezielte und nach wissenschaftlichen Erkenntnissen gestaltete Planung, Organisation und Reflexion von Lehr- und Lernprozessen sowie ihre individuelle Bewertung und systemische Evaluation. Sie erziehen ihre Schülerinnen und Schüler zu demokratischem Handeln, Kritikfähigkeit, Gewaltfreiheit und Toleranz und beteiligen sie an allen wichtigen Entscheidungen der inhaltlichen und methodischen Gestaltung des Lernens. Die jungen Menschen aber, die ihre berufliche Zukunft oder ihre Ausbildung bei der Bundeswehr tatsächlich realisieren wollen, benötigen dann umfassende Informationen, worauf sich Zeitsoldat*innen einlassen (z. B. Verpflichtung zu 12 Monaten Auslandseinsatz und harten finanziellen Sanktionen bei vorzeitigem Vertragsausstieg). Zur Information gehören zudem auch Berichte über traumatisierte Heimkehrer*innen aus Afghanistan und über diejenigen, die in einem Kriegseinsatz in Afghanistan getötet wurden. Friedensorganisationen und Friedensinitiativen andererseits müssen in Zukunft die gleichen Möglichkeiten eingeräumt werden, wie der Bundeswehr, ihre Konzepte zu erläutern. DIE LINKE. Bad Oldesloe verlangt, dass die Landesregierung Schleswig Holstein, die mit der Bundeswehr Kooperationsvereinbarungen abgeschlossen hat, auch entsprechende Kooperationsvereinbarungen mit den Friedensorganisationen und Friedensinitiativen wie der DFG-VK abschließt", sagt Hendrik Holtz, Ortssprecher DIE LINKE. Bad Oldesloe.