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26. Juli 2010

DIE LINKE Duisburg: „Tiefe Trauer nach 19 Toten bei Love Parade“

„Verantwortliche dürfen sich nicht in Ausreden flüchten“

„Es sollte eine fröhliche Techno Party werden und endete entsetzlich. Bestürzung und tiefe Trauer gibt es nun, nachdem es 19 Tote und über dreihundert Verletzte bei der Love Parade in Duisburg gab. Unsere Anteilnahme und Mitgefühl gilt den Angehörigen der Toten. Jetzt gilt es, Raum zu schaffen zum Trauern für die Betroffenen und die ganze Stadt“, erklärt Pressesprecher Horst Werner Rook für DIE LINKE Duisburg.

Rook: „Alles muss getan werden, um den Ablauf der Katastrophe genau zu untersuchen und zu klären, wer dafür die Verantwortung trägt. Eine Pressekonferenz am Sonntag im Rathaus vertuschte mehr als Klarheit zu schaffen. Dabei wurde u.a. die Zahl der Teilnehmer erheblich heruntergespielt und so getan, als wären alle Sicherheitsmaßnahmen in Ordnung gewesen.Nach den bisherigen Erkenntnissen und zahlreichen Augenzeugenberichten sowie Filmdokumenten waren jedoch keineswegs die zu Tode Gekommenen schuld an der Massenpanik. Es war dagegen unverantwortlich, 1,4 Mio. Menschen auf ein eingezäuntes Gelände einzupferchen, auf dem nur Platz für höchstens 600. 000 Menschen war. Unfassbar ist, dass nur ein einziger Röhren-Zu- und Abgang durch eine Rampe im Tunnel Karl-Lehr Straße zugelassen wurde, wo es zu den vielen Toten und Verletzten kam. Die vorher geäußerten Sicherheits-Bedanken der Stadt Bochum und von anderen wurden offenbar aus Profit- und Profilierungssucht der Stadt Duisburg in unverantwortlicher Weise ignoriert. DIE LINKE betont: Die Organisatoren aus Duisburg, der sich auf der Pressekonferenz seltsam ahnungslos gebende Oberbürgermeister Sauerland, die Einsatzkräfte der Polizei und der dafür verantwortliche Innenminister werden sich einer Reihe von Fragen und Vorwürfen stellen müssen und dürfen sich nicht in Ausreden flüchten. DIE LINKE erwartet, dass eine unabhängig kontrollierte hotline für Betroffene und Augenzeugen eingerichtet wird und eine externe staatsanwaltliche Ermittlung erfolgt, wo nichts beschönigt oder vertuscht werden darf.“

Presseerklärung KV Duisburg

Grauenvolle Ereignisse bei der Loveparade sofort aufklären!

Im Vorfeld der Loveparade in Duisburg hatte es von vielen Seiten Bedenken gegeben, ob der ausgewählte Ort ausreichen und die Infrastruktur den anreisenden Raverinnen und Ravern standhalten könnte. Noch vor wenigen Tagen wurden diese Bedenken sowohl vom Sicherheitsdezernenten der Stadt Duisburg als auch von der Bahn in den Wind geschlagen. 15 Menschen kamen heute ums Leben, weil es in einem Tunnel im Eingang zur Loveparade zu einer Massenpanik kam. Katharina Schwabedissen, Landessprecherin DIE LINKE. NRW ist entsetzt:

„Meine Gedanken sind bei den Familien, die heute ihre Angehörigen verloren haben. Meine Gefühle sind bei den vielen jungen Menschen, die heute grauenvolle Szenen erleben mussten, statt ausgelassen feiern zu können."

Anna Conrads, innenpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE. im Landtag und Duisburgerin ergänzt: "Bochum war ehrlich genug, die Veranstaltung abzusagen, weil es massive Sicherheitsbedenken gab. Eine Veranstaltung zu genehmigen, bei der von vornherein klar ist, dass der Veranstaltungsort gerade für ein Drittel der Besucherinnen ausreichen wird, die noch dazu durch ein Nadelöhr geschleust werden müssen, ist unverantwortlich! DIE LINKE fordert eine transparente Aufklärung der Situation und personelle Konsequenzen."

DIE LINKE. NRW

Zum katastrophalen Ausgang der Love Parade in Duisburg erklärt die Ratsfraktion der LINKEN Duisburg:

„Die als fröhliches Fest geplante Love Parade wurde zur Death Parade. 19 Tote und zahlreiche Verletzte sind die traurige Bilanz. Die Ratsfraktion DIE LINKE trauert mit den Verwandten und Freunden der Opfer. Wir waren von Anfang an skeptisch gegenüber der Durchführung einer solchen Riesenveranstaltung in Duisburg. Umsätze und Prestigegewinn haben schließlich den Ausschlag gegeben.

Das vorgesehene alte Güterbahnhofsgelände war mit Blick auf Flächenbedarf, Zugangs- und Sicherungsmöglichkeiten fragwürdig. Das Sicherheitskonzept von Veranstalter und Behörden, an dem monatelang gearbeitet worden war, hat sich, bei allem, was man zu diesem Zeitpunkt sagen kann, als unzureichend erwiesen. Offensichtlich hatten sie keine ausreichende Vorstellung davon, was es bedeutet, so gewaltige Besucherströme zu lenken, wenn etwas Unvorhergesehenes passiert. Man rechnete offiziell mit mehreren hunderttausend Besuchern. Aber seit Wochen gingen die öffentlich diskutierten Erwartungen bereits in eine Größenordnung von einer Million und mehr.

Angesichts der Lage des Geländes zwischen Eisenbahntrassen und A 59 war man auf die Idee verfallen, das Gelände mit Drahtgitterzäunen zu umgeben. Der Hauptzu- und Ausgang befand sich im mittleren Bereich des Karl-Lehr-Tunnels.

 Sollte das Gelände sich überfüllen, so wollte man den Flaschenhals Karl-Lehr-Tunnel gewissermaßen als Ventil nutzen und weitere Besucherströme zurück halten (so hatten sich Vertreter Planungsgruppe mehrfach presseöffentlich geäußert, darunter Polizeisprecher R. van der Maat und Rechtsdezernent W. Rabe). Dies wurde von Polizei und Ordnern auch versucht. Was die Planer offensichtlich nicht bedacht hatten, war eine ausbrechende Panik unter den Menschenmassen, die sich bereits im Tunnel befanden. In diesem trafen auch noch zwei Bewegungen aufeinander – die nach vorn drängenden Menschen und diejenigen, die das Gelände bereits wieder verlassen wollten. Hier hat es nach Zeugenaussagen viele Zusammenbrüche, Quetschungen und auch Tote gegeben. Der Versuch von Verantwortlichen, die Verletzten und Toten in der Hauptsache vor allem darauf abzustellen, dass Besucher die Sperrzäune überwanden, eine ungesicherte alte Treppe nutzten oder sich an einem Mauerstück hochzogen, von dem sie abstürzten, ist allem Anschein nach nicht die ganze Wahrheit. Angesichts der Katastrophe individuelles Fehlverhalten von Teilnehmern als Hauptursache herauszustellen, ist unakzeptabel. Zur Debatte stehen die Fehler und Defizite des – aus einsatztaktischen Gründen geheim gehaltene - Organisationskonzepts.

Die Ratsfraktion fordert die rückhaltlose Aufklärung der Katastrophe und ggfls. politische Konsequenzen.“