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8. November 2018

Effektive Fluglärmbekämpfung – aber wie?

Im Umgang mit den krankmachenden Wirkungen des Rauchens praktizierten die damals weltweit fünf größten Tabakkonzerne („Big Tobacco“) jahrelang die gleiche Abwehrstrategie: Leugnen, verharmlosen und ablenken. Als dies Kartenhaus Mitte der 1990er Jahre zusammenbrach, kostete die gravierende Folgen-Fehleinschätzung die Firmen über 250 Milliarden Dollar für Strafen und außergerichtliche Vergleiche.

Bedingung für erfolgreiches Konfliktmanagement ist die frühzeitige und umfassende Einbindung der Interessenparteien auf Augenhöhe: Anfang Oktober traf sich die Luftverkehrswirtschaft in Hamburg, um über das bestehende Flugchaos zu debattieren. Ziel war es, die Zuverlässigkeit des Flugverkehrs wieder auf ein akzeptables Niveau zu bringen – zum Nutzen der Passagiere und zur Verlustminimierung der Fluggesellschaften. Um die verspätungsbedingten Zusatzbelastungen der Menschen in den An- und Abflugschneisen sowie im Flughafennahbereich ging es nicht. Ebenso wenig darum, wie klimaschädlich Fliegen ist. Folglich waren auch keine Bundesvertreter von Umweltschutzorganisationen oder der Fluglärmbetroffenen eingeladen. Der sich zum Jahresende abzeichnende neue Negativrekord an nächtlich verspäteten Starts und Landungen am Hamburger Verkehrsflughafen war nur am Rand Thema.

Das Hamburger Abendblatt stellte in diesem Zusammenhang die einfache Frage: „Glauben Sie, dass die Flugzeuge nach dem Luftfahrtgipfel pünktlicher landen?“. Von 2.131 befragten Personen antworteten 1.918 (d.h. 90 %) mit einem klaren „NEIN!“ – Noch deutlicher kann ein Misstrauensvotum gegenüber den Teilnehmern aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung nicht ausfallen!

Höchste Zeit, das bisher ausgeübte Vorgehen bei der Fluglärmbekämpfung umfassend zu überdenken. Die Bürgerinnen und Bürger haben zumeist ein gutes Gespür, ob ein Beteiligungsprozess ernsthaft gewollt ist oder bloße Makulatur darstellt. Auf Kreisebene wäre es z. B. nützlich, endlich einmal einen ‚runden Tisch’ einzurichten.

Heidi Beutin, Abgeordnete im Kreistag Stormarn, Die Linke