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20. September 2018

Hinhören statt Weghören. Von Rassismus, Hetze und soziale Schieflage.

Ressentiment, Rassismus und Hetze sind in vielen Teilen unserer Gesellschaft wieder salonfähig geworden. Was früher latent unterdrückt wurde, kommt heute geballt an die Oberfläche. Unsicherheit und Ängste haben großen Anteil daran. Das humanitäre und soziale Gefälle gerät in Schieflage. Prekäre Arbeitsbedingungen, Wohnungsnot, Sicherheit, Kinder und Altersarmut wurden in der Politik nicht ernst genug genommen. Dieser schleichende Prozess zog sich sehr lange hin. Dafür wurde der Neoliberalismus umso stärker im Fokus genommen und grenzte eine breite Bevölkerung automatisch aus. Die soziale Verantwortung wurde durch Eigeninteresse plutokratischer Eliten ersetzt. Diese Fehlentwicklungen nahm sich eine neue politische Kraft wie die AfD zu, eigen. Viele Bürger, die sich bei etablierten Parteien nicht mehr aufgehoben fühlen, haben plötzlich
eine neue Heimat bekommen: die AfD. Ein Sammelbecken frustrierter Altparteien Mitglieder
schlossen sich zusammen, um für die Belange der Bürger eine Stimme zu, geben. Nach außen
vertritt die AfD konservative Werte unter dem Deckmäntelchen demokratisch zu, sein. Ein
Schaf in Wolfspelz, wie sich später herausstellen wird. Der Neoliberalismus hat viele
Lebensbiografien und Lebensleistungen zerstört oder erst gar nicht genügend Beachtung
geschenkt. Viele haben das Gefühl sich dadurch zurückgesetzt oder komplett auf das
Abstellgleis der Belanglosigkeit abgeschoben zu, werden.
Das sozial Humane steht nicht mehr im Mittelpunkt. Nur noch Leistungsdruck und Erfolg
stehen an erster Front und sollen so den Wohlstand mehren.
Viele Fehlentwicklungen und Entscheidungen führen dazu, dass sich viele von der Politik
abwenden, oder rechtspopulistische Parteien folgen. Deutschland ist ein reiches Land und
leistet sich: Fachkräftemangel, Pflegenotstand, Ärztemangel auf dem Land, Unwürdiges Hartz
IV System, Lehrermangel inkl. maroder Schulen, Bildung nur für Reiche, bezahlbarer
Wohnungsraum ist Mangelware, Vernachlässigung des Klimaziels/Umweltzerstörung,
soziale Kälte gegenüber Schutzbedürftigen, Bankenrettung, Großkonzernschutz (z.B.
Autoindustrie/Abgasskandale), Hebammen Mangel, prekäre Arbeitsbedingungen inkl.
schlechte Bezahlung, Frauen werden in Berufen schlechter entlohnt als Ihre männlichen
Kollegen, Alleinerziehende werden wie Aussätzige behandelt, Langzeitarbeitslose fallen
komplett unter den Teppich, Digitalisierung, Diskriminierung von Homosexuellen, Migranten
und Flüchtlingen, Lebensleistungen und Fleiß werden nicht gewürdigt.
Um nur einige Missstände zu, benennen. Diese Themen beschäftigen und treffen den Zeitgeist
der Bürger. Wenn diese aber ungehört verhallen und das plutokratische Feudalsystem der
Eliten krampfhaft aufrechterhalten wird, kann dieses Land seine soziale Schieflage nicht in
den Griff bekommen und die Demokratie läuft Gefahr unter die Räder zu, geraten. Zudem
wird zugelassen, dass Rechtspopulisten viel Raum und Plattformen eingeräumt werden. Ein
größeres Geschenk kann man denen nicht machen, denn Sie bekommen die gewünschte
Aufmerksamkeit und können so wichtige Projekte der Regierung dadurch lahmlegen.
Rechtspopulisten haben generell kein echtes Interesse an einer sozialen Gesellschaft, sondern
verfolgen nur Ihr eigenes Interesse. Das sollte jedem klar sein. Stattdessen wird die Schuld
immer bei anderen gesucht: z.B. bei Flüchtlingen oder anderen Minderheiten hierzulande.
Man diagnostiziert ausschließlich an den Symptomen herum und packt das Übel nicht bei den
Wurzeln an. Die Ereignisse in Chemnitz haben noch viele Bürger Gedächtnis und stellen sich
die Frage, wie es so weit kommen konnte. Diese Fragen sind im sozialen Ungleichgewicht zu,
suchen, die mit einer tiefen Verunsicherheit der Menschen einhergeht. Mit Angstmacherei,
die, die Rechtspopulisten stets aufwarten, kommt man nicht weit. Rechtspopulisten sind nicht
mit konstruktiven Lösungsansätzen aufgefallen, sondern mit dumpfen Sprüchen und
Ausländerfeindlichkeiten. Hinzu kommen gravierende Fehlentwicklungen in Umweltfragen.
Deutschland ist Europameister im Müll produzieren und verfehlt zudem noch das Klimaziel.
Peinlich für dieses Deutschland, dass sich als Verfechter in Umweltfragen einst einen guten
Namen gemacht hat und am Ende durch seine eigenen Ansprüche kläglich scheiterte. Als
Moralapostel wurde Deutschland tituliert, dennoch als Vorreiter für die Umwelt hochgelobt.
Auch wir als Konsumenten haben großen Anteil am Versagen des Klimazieles und schieben
die Verantwortung stets vor uns her oder das Thema Umwelt interessiert den meisten nicht
sonderlich. Deutschland agiert in dieser Hinsicht halbherzig, aber zugleich will dieses Land
als Moralapostel weiterhin erste Sahne bleiben. Das passt nicht zusammen.
Wer mit seinem SUV-Spritbomber zur Luftverschmutzung beiträgt und so die Umwelt und
Gesundheit anderer schädigt, darf sich nicht wundern, wenn dieser durch die
Luftverschmutzung selber zum Opfer wird. Die meisten Verbraucher haben ein gespaltenes
Verhältnis zur Umwelt. Durch gedankenloses Konsumverhalten verspielen die meisten
Menschen hierzulande die Zukunft Ihrer Kinder und berauben deren späteren
Lebensgrundlagen. In vielen Umweltfragen wird tendenziell unsere Unfähig und
Unglaubwürdigkeit deutlich. Neben Umwelt sind Pflegeberufe und Bildung ein großes Thema
hierzulande. Lange Zeit wurden die zwei wichtigsten Säulen in unserer Gesellschaft
sträflichst vernachlässigt. Die wichtigsten Stützpfeiler unserer Gesellschaft erfahren nicht den
nötigen Respekt und Würdigung. Besonders in den Pflegeberufen ist die Verantwortung sehr
hoch und dennoch werden Pflegekräfte wie Menschen zweiter Klasse angesehen. Dies schlägt
sich im niederen Lohn, Personalmangel und unattraktiven Arbeitszeiten nieder. Hier sollte
kräftig nachgebessert werden.
In der Bildung hat man neben Lehrermangel noch mit maroden und Sanierungen von
Bildungsstätten wie Schulen zu kämpfen. Auch hier ist dringender Bedarf vonnöten. Zu lange
wurden diese Probleme vor sich hergeschoben. Ein Kraftakt, keine Frage. Trotz sprudelnder
Steuereinnahmen sind mit schnellen Lösungen nicht zu, rechnen. Viele Projekte können nicht
auf kommunaler Ebene gelöst werden, sondern gemeinsam auf Landes- und Bundesebene.
Besonders die Bekämpfung auf dem Wohnungsmarkt und die Kinder- und Altersarmut stellen
viele Bundesbürger auf eine sehr harte Probe. Ein Zusammenspiel aller Problemensembles
lässt kaum noch Raumpausen, um durchzuatmen. Dennoch muss es in einem der reichsten
Länder wie Deutschland möglich sein, Reformen anzugehen. Die Mühlen der Bürokratie
lähmen und blähen sich auf und das gesamte Getriebe kommt ins Stottern.

Die Bürger haben nicht nur das Recht, bei Wahlen Ihr Kreuz an die richtige Stelle zu, setzen,
sondern auch das, die Verantwortlichen die Rahmenbedingungen für viele Aufgaben und
Projekte angehen und die Weichen dazu stellen. Dabei hilft es, dem Bürger genauer zu,
zuhören, statt wegzuhören und seine Sorgen und Ängste ernst zu nehmen und nicht als
belanglose Ängstlichkeit abzutun. Nicht jeder kann mit einen akademischen Werdegang
aufwarten, um die Belange dieses Landes zu, verstehen und steuern zu, können. Politik ist
kein Privileg der oberen Bildungseliten, sondern für jeden zugänglich. Man kann ein Volk
nicht von oben her herablassend regieren. Das führt zu mehr Verdruss in der Bevölkerung.
Oliver Böge