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1. November 2022

Kolumne: Die Sache mit der Energie

Der Bezug auf die Primärenergie – genauer auf den Primärenergieverbrauch – ist bei den Lobbyisten der fossilen Brennstoffe seit langem sehr beliebt. Deswegen halten Energiewende-Fans, wie ich, statt des Primärenergieverbrauchs die Messgröße des realen Energieverbrauch für aussagekräftiger. Denn in der Endenergie seien zum Beispiel die Umwandlungsverluste nicht enthalten, die bei der Verbrennung von Kohle oder Benzin entstehen. In den so genannten Primärenergieverbrauch fließt bei fossilen Energieträgern wie Öl, Kohle oder Gas die gesamte Energiemenge ein, die ins Kraftwerk oder in die Raffinerie kommt. Bilanziert wird also die Kohle aus dem Tagebau, die dann in den Kessel kommt, dort verbrannt wird und Dampf erzeugt, der dann wiederum über die Turbine den Generator antreibt. Dabei wird thermische Energie in mechanische und dann in elektrische Energie umwandelt. Auf dem Weg geht aber einiges verloren. Wegen der vielen Umwandlungsverluste braucht ein durchschnittliches Kohlekraftwerk mehr als drei Kilowattstunden Kohle-Energie, um am Ende eine Kilowattstunde Strom zu erzeugen. Anders ist das bei regenerativen Energien. Die Primärquelle ihrer Energie ist keine Kohlegrube und keine Ölquelle, sondern es ist letztlich eine kostenlose Naturkraft. In der Energiebilanzierung wurde deswegen entschieden, dass die Kilowattstunden, die Sonne und Wind ins Netz einspeisen, als "Primärenergieverbrauch" gilt. Das verschiebt die Proportionen nun aber gewaltig: Im Primärenergieverbrauch werden dann die drei Kilowattstunden Ausgangs-Kohleenergie gleich bilanziert, wie eine Kilowattstunde Windstrom.

"Der von den  Lobbyisten der fossilen Brennstoffe so gern genommene Maßstab des Primärenergieverbrauchs verzerrt den realen Anteil der Erneuerbaren ins Kleine. Der Ökoanteil erscheint dann sehr klein, denn im Primärverbrauch steckt quasi die ganze Energieverschwendung der fossilen Kraftwerkstechnik mit drin! Mit diesem Betrug muss endlich Schluss sein! Die fossilen Energieträger haben ausgespielt. Jetzt muss im Sinne des ökologischen Umbaus und des Wirtschaftsstadtortes Deutschland Ehrlichkeit her. Und zu dieser Ehrlichkeit gehört, dass die Zukunft den regenerativen Energien gehört. Und wir brauchen diese Zukunft so schnell wie möglich", sagte Hendrik Holtz; Ortssprecher DIE LINKE. Bad Oldesloe.