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31. August 2017

Sparen schön, Geiz geil

„Sparen kann so schön sein“

Ein bekanntes Klassikerzitat besagt, daß sich hart im Raum die Sachen stoßen. So erregten sich im Kreis wie überall die Gemüter, als zu hören war, beim Vereinswechsel eines Fußballers sei die Summe von 222 Mill. Euro geflossen. Zur selben Zeit las ich in einem Werbeprospekt, der in Stormarn verteilt wurde: „Sparen kann so schön sein!“ Zwei Tage darauf fand ich in einer hiesigen Zeitung die Werbezeile: „Bundesrepublik Discount – Billig boomt in Deutschland“, „Geiz geiler“ denn je.

Sparen kann so schön sein, wenn ich Lebensnotwendiges einkaufe? Aber wenn etwas nicht lebensnotwendig ist, wo es sich beispielsweise darum dreht, auf einem rechteckigen Platz ein rechteckiges Holzgestell anzuvisieren, um eine Lederkugel hineinzuschlenzen, wäre Geiz nicht mehr geil?

Im Ernst, es gibt manche Menschen mit höheren Einkommen, die Sparen nicht nötig hätten, nicht nötig, auf „Schnäppchen-Jagd“ zu gehen, die es aber als „Sport“ betreiben. Allerdings gibt es um die Ecke bei uns Menschen, die es sich nie leisten können, teure Lebensmittel oder Textilien zu kaufen.

So leben in Deutschland rund 1,6 Millionen Kinder unter dem Diktat von Hartz IV, und rund 5,6 Millionen Menschen sind von Altersarmut bedroht. Das sind dann die, die ohne beim Discounter einzukaufen überhaupt nicht über die Runden kämen. Darüber hinaus Millionen Menschen, die in prekären Beschäftigungsverhältnissen arbeiten. Auch diese werden nicht ihre Einkünfte für teure Lebensmittel und / oder Textilien ausgeben. Geiz? Für diese Menschen in keiner Weise „geil“. Für sie ist Sparen weder schön noch unschön, nur zwingend geboten.

Für die Partei Die Linke ist es keine Frage, daß alle Menschen in Stormarn wie über all auf der Erde – ob in einem Beschäftigungsverhältnis oder nicht – so viel Geld zur Verfügung  haben müssen, daß sie menschenwürdig leben können.

 

Heidi Beutin,

Abgeordnete der Partei Die Linke im Kreistag Stormarn