Detailansicht
6. Dezember 2018

Was muss denn noch passieren?

Liebe BELTRETTER, Unterstützer und Unterzeichner,

hier kommt unser Leserbrief, der heute im Fehmarnschen Tageblatt erschienen ist. Er gibt auch einen Überblick darüber, wie sich die Lage rund um Belttunnel und Hinterlandanbindung zuspitzt.

Liebe Grüße

Das BELTRETTER Team

.

.

.

.

.

Was muss denn noch passieren?

Als Fehmaraner müsste man doch spätestens jetzt auf die Barrikaden gehen – und zwar nicht nur im sprichwörtlichen Sinne. Was braucht es dafür denn noch? Die Kosten der verniedlichend so genannten „Hinterlandanbindung“ (Unsere Sundbrücke beziehungsweise die neue Sundquerung gehören dazu.) sind auf 4 Milliarden Euro explodiert. Ursprünglich war mal von etwas mehr als 800 Millionen Euro (!) die Rede. Es ist noch in keiner Weise klar, wo diese neue Sundquerung verlaufen soll. Zerschneidet sie Ortschaften, Campingplätze, Wege von Landwirten zu ihrem Feld? Die Belttunnel-Genehmigung wird wahrscheinlich am 21. Dezember erlassen –von der Landesregierung offenbar bewusst so terminiert, um wegen der folgenden Festtage und Urlaubszeit den Umweltorganisationen und den Gemeinden weniger Zeit netto für eine fristgerechte Prüfung der Unterlagen und Vorbereitung von Klagen zu lassen und lautstarke Kritik zu erschweren. Zudem steht fest, dass die Bauarbeiten zum Belttunnel ein dramatischer Eingriff sein werden – auch ins Leben der Menschen hier. Fehmarn wird über Jahre nur schwer erreichbar sein. Und mit der Bahn schon gar nicht mehr. Welcher Urlauber nimmt das einfach so hin und sucht nicht nach einer Alternative? Da sind ganze Existenzen von Vermietern, Hotels und Gastronomen bedroht! Schließlich haben nicht alle das finanzielle Polster, über Jahre mit deutlich weniger Buchungen und Gästen klarzukommen.

Die Bauarbeiten zum Belttunnel würden die Ostsee über Jahre eintrüben, die Fischbestände dezimieren und sicher kein attraktives Werbemotiv für die Insel abgeben. Und wenn der Tunnel fertiggestellt sein soll, drohen Güterzüge von gut 1 km Länge. In kurzer Taktung. Ebenfalls alarmierend: Die Bahn teilte kürzlich gegenüber dem Hamburger Abendblatt mit, sie könne nicht ausschließen, dass auf dieser Strecke in Zukunft Atomtransporte auf in nukleare Endlager nach Skandinavien rollen. Bitte? Atomtransporte über Fehmarn? Unsere Insel dann: malträtiert, geschunden und abgeschnitten. Lärm, eine eingetrübte Ostsee, kilometerlange Güterzüge, unkoordinierte Baustellenplanung, Kostenexplosion, ausbleibende Urlauber, Negativschlagzeilen in Medien bundesweit, da ein norddeutsches Stuttgart 21 offenbar wird, Atomtransporte, Wertverlust bei Grund und Immobilien: Kann da noch jemand sagen, das werde schon alles nicht so schlimm? Kann da noch jemand sagen, es gäbe halt den Staatsvertrag (,der übrigens bei komplett anderen Annahmen unterzeichnet wurde)? Wie sarkastisch mutet es da an, dass die Tunnelplaner von Femern A/S aus ihrem Millionen-Werbebudget auf Fehmarn den Weihnachtsmarkt und Sportveranstaltungen als Sponsor bedenken. Es wäre an der Zeit, deutlich zu machen, dass die Insel nicht käuflich, sondern wehrhaft ist. Manchmal gibt es eben Zeiten, in denen man einfach aufstehen muss. Es geht um Fehmarn.

Karin Neumann, Rainer Ackermann, Florian Bumm von der BELTRETTER-Bewegung