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8. Dezember 2016

Ein Arbeitgeber wie jeder andere?

In der Woche vom 7. bis 13. November gab es im Kreis Stormarn eine erhebliche Reihe von Veranstaltungen zu dem betrübenden  Thema ‚Krieg, Verfolgung, Tod’. Das eine war der Volkstrauertag mit der Ehrung der während der Weltkriege Gefallenen und 1933/45 Ermordeten. Das andere der 9. November, der Tag, an dem des 1938 vom NS angestifteten Pogroms gedacht wurde, dessen Opfer jüdische Deutsche und ihre religiösen Einrichtungen geworden waren. So versammelten sich z.B. etwa 200 Bürgerinnen und Bürger in der größten Stadt des Kreises zum „Gang des Erinnerns“, der zu den Stolpersteinen für die Ahrensburger Opfer des NS-Regimes führte. Durch den winterlich kalten Ort zogen erfreulich viele Jüngere mit, Schülerinnen und Schüler, die sichtlich ergriffen in der Waldstraße, wo der verfolgten Familie Rath gedacht wurde, von ihnen selber verfaßte Gedenktexte vortrugen.

Ein Gefühl des Unmuts stieg in mir auf im Gedanken an ein eigenartiges Zusammentreffen, ein Intermezzo, das zum selben Zeitpunkt allerdings die Bundeswehr lieferte. Sie präsentierte sich bei der ‚Jobmesse’ in der  Ahrensburger Gemeinschaftsschule Am Heimgarten mit einer ihrer Werbeaktionen, die den Eindruck erwecken, bei ihr handele es sich um einen sozusagen ‚regulären’ Arbeitgeber. Sie bemüht sich um die Rekrutierung sogar von Jugendlichen unter 18! In den Hintergrund rückt sie, daß Soldatinnen und Soldaten unter Umständen Verstümmelung erleiden und zunehmend psychische Traumata, auch daß sie ihr Leben zu geben bereit sein müssen und dazu, es anderen zu nehmen. Dafür dürfen sie Panzer fahren (lernen) und die raffinierteste Technik der realen Kriegsführung bedienen. Ein ‚regulärer’, ‚normaler’, ehrenvoller Beruf?

Die Armee möchte es glauben machen. Aber falls sie wähnt, nicht davon absehen zu sollen, mit Aktionen gleich dieser Schülerinnen und Schüler zu betören, beschreitet sie einen verkehrten Weg. Der Gesetzgeber muß ihn baldmöglichst versperren, und die zuständige Ministerin ist aufzufordern, künftig die Schulen von ihrer Werbung freizuhalten.

 

Heidi Beutin, Abgeordnete im Kreistag Stormarn