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27. August 2014

,‚Wir wollen nicht, dass Glinde wieder zum Dorf wird’

Heidi Beutin Mitglied des Kreistages

Der Metrobus 11, der Glinde mit der U-Bahnstation „Steinfurther Allee“ verbindet, soll abgeschafft werden. Seit längerer Zeit schon fordert DIE LINKE Stormarn den gezielten Ausbau des öffentlichen Verkehrsnetzes im Kreis, der attraktiv ist und in Teilregionen überproportional wächst. Dazu gehört auch das Einzugsgebiet der Stadt Glinde, welche sich gerne als „die junge Stadt im Grünen“ bezeichnet. Obwohl Bürgermeister Zug die Idee der LINKEN, die alte Kreisbahnstrecke von Glinde über Boberg ans Hamburger Nahverkehrsschienennetz anzuschließen, noch 2013 „generell sehr interessant“ fand, und damit auch dem Ausbau des ÖPNV das Wort redete, findet zur Zeit genau das Gegenteil statt. Während die Möllner Landstraße von der A1 bis über Glinde hinaus im Stau erstickt, sehen die Planungen des Kreises die Abschaffung der Metrobuslinie 11 zu Ende des Jahres vor. Ersetzt werden soll der 11er durch eine sog. Basisversorgung mit der Liniennummer 133. Fest steht, während der Berufsverkehrszeiten von ca. 6 – 9 Uhr und ca. 14.30 – 18 Uhr an Werktagen wird sich kaum etwas ändern. Alle anderen Fahrzeiten werden sich rapide verschlechtern. An den Samstagen, an denen viele einmal Zeit für ein Freizeitvergnügen haben, sogar mindestens halbiert. Er fährt statt alle 20 Min. nur noch alle 40 Min. usw. Ab Dezember 2014 soll der Kreis die Organisierung und Finanzierung der Grundversorgung selber übernehmen. Die Rechnung beläuft sich auf geschätzte 500.000€, die der Kreis zu schultern hätte, nach Abzug der zu erwartenden Einnahmen. Diese allerdings werden in der Schätzung um 15% gekürzt, weil das Busangebot (durch die Kürzung der Taktzeiten) zurückgehen wird. Die verquere Logik – Diesen Einnahmeverlust soll ebenfalls der Kreis tragen. Weniger Angebot, mehr Kosten für den Steuerzahler. An Geld mangelt es hingegen grundsätzlich nicht. Im vorläufigen Haushaltsplan für 2015 sind statt der erwarteten 500.000€ 800.000€ „angemeldet“. Stolz vermeldet die Vorlage des Verkehrsausschusses, dass dieser Betrag „voraussichtlich“ „nicht in der Höhe benötigt“ werden wird. Würde das Angebot attraktiver werden und eine echte Alternative zum individuellen Autoverkehr darstellen, dann würde auch die Nachfrage und damit die Einnahmen steigen. So allerdings wird die „junge Stadt im Grünen“ bald im Abgasnebel verschwinden. Dazu passt, dass der Park&Ride Parkplatz an der U-Bahn Steinfurther Allee ab sofort kostenpflichtig ist. Ende Juli sammelten an eben dieser Station Frauen während ihres Urlaubes Unterschriften gegen die Abschaffung des 11er Busses. Auf meine Frage, von welcher Initiative sie denn wären, antwortete die Eine sinngemäß: ‚ Das machen wir privat, weil wir sauer sind. Wir wollen nicht, das Glinde wieder zum Dorf wird!’ Es ist eben nicht alles schlecht im Kreis Stormarn.