21. März 2011

Katastrophenschutz - AKW Krümmel

Fachbereich Ordnung und Veterinärwesen


 

 

Anfrage nach § 12 der Geschäftsordnung

 

Sehr geehrter Herr Winckel-Rienhoff,

 

Sie haben mit Schreiben vom 16. März 2011 eine Anfrage aus dem Bereich des Katastrophenschutzes an den Landrat des Kreises Stormarn gestellt. Die Zuständigkeit für den Katastrophenschutz liegt im Fachbereich Ordnung und Veterinärswesen.

 

Zu den einzelnen Fragen:

 

Wird der Kreis Stormarn über Störfälle im (derzeit außer Betrieb befindlichen) AKW Krümmel automatisch zeitnah informiert?

 

Der Betreiber des AKW Krümmel ist verpflichtet, bei Störfällen und Unfällen unverzüglich alle notwendigen Maßnahmen einzuleiten, damit Gefahren für Leben, Gesundheit und Sachgüter auf ein Mindestmaß beschränkt werden.

 

Eine Meldung vom Betreiber an das Gemeinsame Lage- und Führungszentrum des Innenministeriums und an das Ministerium für Soziales, Gesundheit, Familie, Jugend und Senioren sowie an die untere Katastrophenschutzbehörde über die Integrierte Regionalleitstelle Süd hat grundsätzlich automatisch zeitnah zu erfolgen.

 

Gibt es Erkenntnisse über mögliche Auswirkungen eines großen Störfalls im AKW Krümmel auf den Kreis Stormarn?

 

Bisher gab es keinen großen Störfall oder kerntechnischen Unfall. Neben diesen gibt es Störungen oder Störfälle. Das sind aber keine kerntechnischen Unfälle.

 

In der Kerntechnik ist ein Störfall gemäß § 3 Strahlenschutzverordnung ein Ereignisablauf, bei dessen Eintreten der Betrieb der Anlage oder die Tätigkeit aus sicherheitstechnischen Gründen nicht fortgeführt werden kann und vorsorglich Schutzvorkehrungen vorzusehen sind. Die Auswirkungen beziehen sich in einem Störfall nur auf die Anlage. Ein Beispiel für eine Störung/einen Störfall ist der Trafobrand im AKW Krümmel im Juli 2007.

 

Ein kerntechnischer Unfall hat radiologische Auswirkungen außerhalb der kerntechnischen Anlage.

 

Gibt es einen Katastrophenschutzplan für einen großen Störfall des AKW Krümmel im Kreis Stormarn?

 

Es gibt den Sonderkatastrophenschutzplan - kerntechnischer Unfall – Kreis Stormarn für die kerntechnischen Anlagen Kernkraftwerk Krümmel und das GKSS-Forschungszentrum in Geesthacht.

 

Grundlage für die besondere Katastrophenschutzplanung bilden die Rahmenempfehlungen für den Katastrophenschutz in der Umgebung kerntechnischer Anlagen vom Bundesamt für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit vom 27.10.2008.

 

Gibt es Evakuierungspläne für Stormarn im Falle eines Austritts von radioaktiver Strahlung aus dem AKW Krümmel und wie sehen diese aus?

 

Es gibt einen Evakuierungsplan aus dem Standortkreis, dem sich der Kreis Stormarn dem Ereignis angepasst anschließt.

 

Gibt es im Kreis Stormarn stationäre und ggf. kurzfristig einsetzbar Messstationen für Radioaktivität?

 

Es gibt Pläne für die Einrichtung und den Betrieb einer Notfallstation. Die Notfallstation im Kreis Stormarn wird u.a. im Schulzentrum Trittau eingerichtet. Dort werden Messstationen eingerichtet, die vom Löschzug-Gefahrgut betrieben werden. Im September 2010 wurde die Notfallstation Trittau beübt.

 

Die Kernkraftwerküberwachung Schleswig-Holstein hat um die kerntechnische Anlage Messstationen installiert, die stündlich aktuelle Messdaten liefern.

 

Des Weiteren gibt es im 25 km Radius um das Kernkraftwerk, also im südlichen Bereich des Kreises Stormarn, Messpunkte, die im Ereignisfall von den Löschzug-Gefahrgut Fahrzeugen der Kreise Herzogtum Lauenburg und Stormarn angefahren werden.

 

Wo und wie werden ggf. radioaktiv verstrahlte Menschen versorgt und untergebracht?

 

Für den Fall einer Freisetzung von radioaktiven Stoffen stehen im Standortkreis und im Kreis Stormarn Notfallstationen zur Verfügung. Notfallstationen sind Einrichtungen für die Bevölkerung, in denen sich die Betroffenen hinsichtlich eventueller Strahlenbelastung und zur Durchführung von Hilfsmaßnahmen, wie die Dekontamination / ärztliche Begutachtung, überprüfen lassen können. Von diesen Notfallstationen werden betroffene Menschen je nach Wunsch in Unterkünfte oder zu Verwandten weitergeleitet.  Verletzte oder stark kontaminierte Personen werden in Kliniken oder spezielle Strahlenschutzzentren gebracht.

 

Siehe auch Antwort zu Frage 5 „Notfallstation“

 

 

Diese Anfrage wird auf der Kreistagssitzung am 25. März 2011 vorgetragen.

 

Mit freundlichen Grüßen

Im Auftrag

 

 

 

Anja Kühl