I. Gemeinsam für eine andere Politik
Die Bundesrepublik Deutschland ist ein reiches Land. Allerdings
sind die Beteiligung am gesellschaftlichen Reichtum und die
Lebenschancen ungleich verteilt. Dabei gibt es neue und auch
wachsende Möglichkeiten für ein Leben in Gerechtigkeit,
Demokratie und Frieden. Doch sie werden von zerstörerischen
Prozessen blockiert. Diese sind Folge hoch konzentrierter
Kapitalmacht, sie entstehen aus dem Vorrang der internationalen
Finanzmärkte und dem Übergang der Herrschenden von einer
Politik des sozialstaatlich regulierten Kapitalismus zu einer
marktradikalen, neoliberalen Politik.
Unsere Gesellschaft ist
wie viele andere in der Welt von Massenarbeitslosigkeit, von
wirtschaftlichen und kulturellen Spaltungen geprägt. Die
Zerstörung der Natur und der von Menschen erzeugte Klimawandel
nehmen immer bedrohlichere Dimensionen an. Krieg ist wieder zum
Mittel der Politik geworden. Imperiale Politik und Fundamentalismus
verstärken sich wechselseitig.
Unsere Alternative zu
diesem entfesselten Kapitalismus ist die solidarische Erneuerung und
konsequent demokratische Gestaltung der Gesellschaft. Die Vielfalt
individueller Lebensentwürfe und das Aufbrechen traditioneller
Rollen der Geschlechter begreifen wir als eine Chance für
Individualitätsentfaltung, deren Basis es durch materielle und
soziale Sicherheit kollektiv zu sichern gilt. Wir wenden uns gegen
eine Politik des "Forderns und Förderns", die
Arbeitslosigkeit zum individuellen Problem erklärt. Stattdessen
wirken wir für gesellschaftliche Rahmenbedingungen, die Arbeit
und Persönlichkeitsentwicklung für alle Menschen
ermöglichen. Ein grundlegender Politikwechsel für eine
sozial gerechtere Gesellschaft erfordert, die Idee der Solidarität
mit Antworten auf neue gesellschaftliche Herausforderungen zu
verbinden.
Wir wollen Grundideen alternativer Politik
zusammenführen. Der Kampf gegen den Abbau sozialer Rechte, für
eine gerechte Verteilung der Arbeit in einer humanisierten
Arbeitswelt und für einen erneuerten solidarischen Sozialstaat
ist der im Gründungsprogramm formulierte Ausgangspunkt der
Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit. Die Linkspartei.PDS
bringt in Übereinstimmung damit ihr historisches Verständnis
des demokratischen Sozialismus als Ziel, Weg und Wertesystem und als
Einheit von Freiheits- und sozialen Grundrechten ein - niedergelegt
in ihrem Chemnitzer Parteiprogramm.
Demokratie, Freiheit,
Gleichheit, Gerechtigkeit, Internationalismus und Solidarität
sind unsere grundlegenden Wertorientierungen. Sie sind untrennbar mit
Frieden, Bewahrung der Natur und Emanzipation verbunden. Die Ideen
des demokratischen Sozialismus stellen zentrale Leitvorstellungen für
die Entwicklung der politischen Ziele der Linken dar.
DIE
LINKE leitet ihr politisches Handeln aus dem Zusammenhang von Ziel,
Weg und grundlegenden Wertorientierungen ab. Freiheit und soziale
Sicherheit, Demokratie und Sozialismus bedingen einander. Gleichheit
ohne individuelle Freiheit endet in Entmündigung und
Fremdbestimmung. Freiheit ohne Gleichheit ist nur die Freiheit für
die Reichen. Auch der Mensch ist nicht frei, der seine Mitmenschen
unterdrückt und ausbeutet. Ziel des demokratischen Sozialismus,
der den Kapitalismus in einem transformatorischen Prozess überwinden
will, ist eine Gesellschaft, in der die Freiheit des anderen nicht
die Grenze, sondern die Bedingung der eigenen Freiheit ist.
Dazu
machen wir uns im Hier und Heute auf den Weg, gegen Ausbeutung des
Menschen durch den Menschen und gegen patriarchale und rassistische
Unterdrückung.
Für die Überwindung von
Fehlentwicklungen und sozialen Spaltungen ist eine umfassende
Demokratisierung aller Lebensbereiche die Bedingung. Die
Demokratisierung der Wirtschaft erfordert, die Verfügungsgewalt
über alle Formen des Eigentums sozialen Maßstäben
unterzuordnen. Vor allem die profitbestimmte private Verfügung
über strukturbestimmende Großunternehmen muss durch breite
demokratische Allianzen, Mitbestimmung und sozialstaatliche
Regulierung zurückgedrängt und überwunden werden, wo
sie dem Gemeinwohl widerspricht.
Wir wollen eine breite
Diskussion darüber führen, wie dies konkret realisiert
werden kann. In diesem Zusammenhang wollen wir klären, wie
öffentliches Eigentum als Grundlage demokratischer Politik und
Daseinsvorsorge erweitert und sowohl sozial als auch effizient
gestaltet werden kann.
In der Bundesrepublik verlangt das
Grundgesetz, über Gesetze und Regeln sicherzustellen, dass das
Eigentum dem Gemeinwohl dient. Die Artikel 14 und 15 des
Grundgesetzes geben die Möglichkeit, der Zusammenballung von
wirtschaftlicher Macht zu politischer Macht entgegenzuwirken.
Demzufolge können Schlüsselbereiche der Wirtschaft in
Gemeineigentum überführt werden. DIE LINKE erarbeitet
konkrete Vorschläge, wie bestimmte Schlüsselbereiche der
Wirtschaft und der Daseinsvorsorge zum Wohle der Allgemeinheit in
öffentliche Eigentumsformen überführt werden müssen,
um mehr demokratische Kontrolle und Gestaltung zu ermöglichen.
DIE LINKE sieht im Vorhandensein unterschiedlicher Eigentumsformen
eine Grundlage für eine effiziente und demokratische Wirtschaft
anstatt den weiteren Weg der Privatisierung und Monopolisierung zu
beschreiten.
Aufgabe linker Politik bei der Schaffung eines
modernen Sozialstaates ist der dauerhafte Schutz der Menschen in
großen Lebensrisiken wie Krankheit, Arbeitslosigkeit und Armut.
Dazu gehört auch die gesellschaftliche Verantwortung für
Gesundheit, für Wasser und Energieversorgung, für die
Abfallentsorgung, für die Entwicklung der Städte und des
ländlichen Raums, für ausreichend kostengünstigen
Wohnraum, für öffentlichen Nah- und Fernverkehr, für
allgemein zugängliche kostenfreie Bildung, für ein
würdevolles Leben im Alter sowie für die Entfaltung von
Kultur und Wissenschaft. Der Vorrang der Politik auch in der
Wirtschaft muss hergestellt werden. In diesem Sinne sollen sich die
gewählten Repräsentanten der Linken für die Gestaltung
der Daseinsvorsorge einsetzen.
Unsere Partei erhebt einen
politischen Richtungswechsel zu ihrem strategischen Ziel. Dazu
brauchen wir die kritische und solidarische Auseinandersetzung mit
der Geschichte linker Praxis in der DDR und der BRD. Wir stellen uns
bewusst in die Traditionen der Aufklärung und des demokratischen
Sozialismus, der großen Emanzipationsbewegungen der
Arbeiterinnen und Arbeiter.
Wir treten ein für die Ziele
der Frauenbewegung, der Umwelt- und Anti-AKW-Bewegung, der
Friedensbewegung, der globalisierungskritischen Initiativen, der
Sozialforen und Bewegungen gegen staatliche Repression, für die
Durchsetzung der Grund- und Freiheitsrechte. Wir knüpfen an das
Engagement all jener an, die sich an der Niederschlagung der
verbrecherischen faschistischen Diktatur beteiligten und sich für
die Beseitigung der Ursachen des Faschismus eingesetzt haben und
einsetzen.
Unsere Anerkennung gilt den Bemühungen um eine
sozial- und wohlfahrtsstaatliche Eindämmung des Kapitalismus
ebenso wie Versuchen einer Überwindung der kapitalistischen
Eigentums- und Herrschaftsverhältnisse.
DIE LINKE setzt
sich mit der Geschichte der DDR und der BRD sowie mit der Geschichte
der linken Kräfte in der alten Bundesrepublik auseinander und
zieht aus den historischen Entwicklungen und Erfahrungen
Schlussfolgerungen für ihre Programmatik und Strategie in den
Auseinandersetzungen der Gegenwart und Zukunft. Dabei wendet sie sich
gegen Pauschalisierungen, antikommunistische Vorurteile und
einseitige Beurteilungen und bemüht sich um differenzierte und
ausgewogene Einschätzungen.
Wir haben aus der Geschichte
gelernt: Respekt vor den Ansichten Andersdenkender ist Voraussetzung
von Befreiung. Wir lehnen jede Form von Diktatur ab und verurteilen
den Stalinismus als verbrecherischen Missbrauch des Sozialismus.
Freiheit und Gleichheit, Sozialismus und Demokratie, Menschenrechte
und Gerechtigkeit sind für uns unteilbar.
II. Eine andere Welt ist nötig
In den sechziger und siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts
entwickelte sich eine weltweite, vor allem ökonomische Krise.
Die Wachstumsraten der schwerfälligen Planwirtschaften des
Staatssozialismus sanken stark. Die Ölkrise markierte den Beginn
einer verstärkt krisenhaften Entwicklung der kapitalistischen
Weltwirtschaft. Die nachholende Entwicklung des Südens, die mit
der Entkolonialisierung hoffnungsvoll begonnen hatte, war in großen
Regionen rückläufig. In derselben Zeit entstanden
Bewegungen für mehr Freiheit, Solidarität und Demokratie.
Es war die Zeit der Studentenbewegung im Westen, der Überwindung
faschistischer Regime in Griechenland, Spanien und Portugal, der
Siege der Befreiungsbewegungen in Vietnam und in den portugiesischen
Kolonien. In Chile wurde die sozialistische Entwicklung hingegen von
den Herrschenden blutig niedergeschlagen. In dieser Zeit verstärkten
sich die Stagnationstendenzen im realen Sozialismus. Die gewaltsame
Beendigung des Prager Frühlings zerschlug damals weltweit die
Hoffung auf die Verbindung von Demokratie und Sozialismus. Die
kapitalistischen Länder suchten den Ausweg aus der Krise im
Kapitalismus neoliberaler Prägung, in der Ablegung
sozialstaatlicher "Fesseln". Als mit dem Zusammenbruch der
Sowjetunion das größte Gegengewicht wegfiel, konnten sich
die zerstörerischen Tendenzen des ungehemmten kapitalistischen
Marktes immer mehr entfalten. Heute bestimmen transnationale Konzerne
und die Kapital- und Finanzmärkte zunehmend die
gesellschaftliche Entwicklung.
Der Neoliberalismus tritt im
Namen von mehr Freiheit an, doch werden alle Lebensbereiche der
Kapitalverwertung und insbesondere der Steigerung der Aktienkurse auf
den Finanzmärkten unterworfen. Neoliberale Kräfte fordern
weniger Staat und bauen den Sozialstaat zugunsten eines repressiven
Wettbewerbsstaats ab. Sie berufen sich auf die Demokratie und
versuchen, Gewerkschaften und andere demokratische Organisationen und
Bewegungen zu schwächen. Sie verfolgen eine unsolidarische
Politik der Privatisierung, Deregulierung und Unterordnung aller
Lebenssphären unter die Märkte. Sie lösen neue
imperiale Kriege aus und verschärfen die Terrorgefahren. Statt
Chancengleichheit zu fördern, vergrößern sie die
Kluft zwischen oben und unten. Niedriglohnsektoren breiten sich aus.
Steigende Gewinne gehen einher mit anhaltender
Massenarbeitslosigkeit. Große Teile der Bevölkerung wenden
sich von der Teilnahme an der demokratischen Willensbildung ab.
Ein
Widerspruch wird immer stärker: Auf der einen Seite sind
Produktivität, Bildungsstand, wirtschaftliche und technologische
Leistungsfähigkeit, internationale Arbeitsteilung, Möglichkeiten
von Emanzipation und Individualitätsentwicklung
fortgeschrittener denn je. Armut, Hunger, Durst, ein Leben in Slums,
Analphabetismus und viele Krankheiten können überwunden
werden. Die überkommene Arbeitsteilung zwischen den
Geschlechtern und die tief sitzenden patriarchalen Verhaltensmuster
sind historisch überholt. Mit kürzerer Arbeitszeit unter
humanen Bedingungen und ökologisch verträglich kann eine
bessere Befriedigung menschlicher Bedürfnisse erreicht werden.
Ein grundlegend neues Verhältnis zur Natur ist unbedingt
erforderlich und auch möglich. Eine globale solidarische
Entwicklung aller Völker und Regionen in Frieden, eine
Weltgesellschaft der Freien und Gleichen kann das 21. Jahrhundert
prägen.
Auf der anderen Seite stehen diesen Möglichkeiten
die Herrschafts- und Eigentumsstrukturen des modernen Kapitalismus
entgegen. Durch die globalen Finanzmärkte wirken die
Renditeansprüche des Kapitals schrankenlos und weltweit.
Arbeitsplatzverlust, Realeinkommenssenkung und unsichere
Beschäftigungsverhältnisse sind für viele Menschen
Alltag. Die an den Kapitalbedürfnissen ausgerichtete
Flexibilisierung der Produktion und des Arbeitsmarktes zerstört
das Familien- und Gemeinschaftsleben. Öffentliches Eigentum wird
privatisiert und politischer Gestaltung entzogen. Immer schneller
wird die Aushöhlung sozialer Sicherheit vorangetrieben. Mögliche
Wege zur Zurückdrängung von Arbeitslosigkeit und Armut
werden in Deutschland nicht beschritten.
Die offen
hervortretende Klassenspaltung der Gesellschaft fällt zusammen
mit anderen Unterdrückungsverhältnissen: Trotz
Gleichstellungsbemühungen ist die Privilegierung von Männern
strukturell ungebrochen. Menschen anderer Herkunft, Hautfarbe,
sexueller Orientierung und Religion werden diskriminiert. Rassismus
und Antisemitismus nehmen zu.
Der globale Kapitalismus
verschärft die Umweltkrise. Seine Wirtschaft orientiert sich an
kurzfristigen Börsenkursbewegungen. Dies steht in einem tiefen
Widerspruch zu den langfristigen Zyklen der Natur. Umwelttechnologien
sind hoch entwickelt, aber der ökologische Umbau von Wirtschaft
und Lebensweisen wird nirgendwo energisch angepackt. Das ist umso
bedrückender, weil sich in den nächsten Jahren entscheiden
muss, ob eine globale Klimakatastrophe noch verhindert werden kann.
Drastische Veränderungen in unserer Lebensweise werden
unvermeidlich sein.
Neoliberaler Kapitalismus bedeutet
Entdemokratisierung. Bei den internationalen Finanzfonds,
transnationalen Konzernen und in den supranationalen Organisationen
des globalen Kapitalismus - Welthandelsorganisation, Internationaler
Währungsfonds, Weltbank usw. - ist eine ungeheure Machtfülle
konzentriert. Sie sind jeder demokratischen Kontrolle entzogen. Die
Substanz der Demokratie wird ausgehöhlt. Mit dem proklamierten
"Krieg gegen den Terrorismus" wird eine massive
Einschränkung von Grund- und Freiheitsrechten gerechtfertigt. Es
wird immer ungehemmter auch zu barbarischen Methoden der Herrschaft
gegriffen.
Mit der Europäischen Union ist ein neuer Raum
für gemeinsame soziale Kämpfe, Bewegungen für Frieden
und nachhaltiges Wirtschaften, für Demokratie und gegen
Rassismus und Nationalismus, ein neuer Raum der Klassenkämpfe
entstanden. In Europa sind die freie Bewegung des Kapitals, die
Verlagerung von Produktionsstätten und die Wanderung von
Arbeitskräften alltäglich und widerspiegeln die durch den
Maastrichter Vertrag manifestierte neoliberale Ausrichtung der
Europäischen Integration. Der Zusammenschluss von
Gewerkschaften, demokratischen Initiativen, der Friedens-, Frauen-
und Umweltbewegung steht jedoch erst am Anfang. Die Konföderale
Fraktion der Vereinten Europäischen Linken/Nordische Grüne
Linke (GUE/NGL) im Europaparlament ist im Ergebnis der Wahlen zum
Europaparlament zustande gekommen und trägt wesentlich dazu bei,
einer linken Europapolitik parlamentarisch Profil zu geben. Mit der
Partei der Europäischen Linken hat sich eine Kraft auf den Weg
gemacht, Mitglieder verschiedener linker Parteien in Europa zum
gemeinsamen politischen Handeln zu vereinen. Die Europäischen
Sozialforen und die europäische Gewerkschaftsbewegung greifen in
die sozialen und politischen Auseinandersetzungen ein.
Die
imperiale Politik unter Führung der Vereinigten Staaten von
Amerika zielt auf eine ganz der Kapitalverwertung untergeordnete
Welt, auf die ungehinderte Verfügung über Rohstoffe und
Energieträger, auf Ausweitung von Herrschaft und
Einflusssphären. Aufgekündigt ist die Norm des
Völkerrechts, die jeden Angriffskrieg verbietet. Die NATO und
die Europäische Union setzen auf globale Eingreiftruppen. Im
Namen eines Kreuzzuges gegen den Terrorismus kommen Tausende
unschuldiger Menschen ums Leben. Eine Spirale der Gewalt erzeugt
immer neue Bereitschaft zu Terrorakten, der menschenverachtenden
Antwort auch auf die Arroganz imperialer Macht und die tiefen Gräben
zwischen reichen und armen Ländern.
III. Unsere Alternative: Soziale, demokratische und friedensstiftende Reformen zur Überwindung des Kapitalismus
Eine andere Politik ist nötig und möglich. Die neue
Linke hat eigene Antworten auf die Herausforderungen der Gegenwart -
auf die gewachsene internationale Verflechtung, die chronische
Massenarbeitslosigkeit, die Krise der sozialen Sicherungssysteme, die
Begrenztheit von Ressourcen und der ökologischen Belastbarkeit
der Erde, den Wandel der Altersstruktur der Gesellschaft. Wir
bestreiten, dass es wegen begrenzter wirtschaftlicher Potenziale
unumgänglich ist, von der Bevölkerung Verzicht auf
Sicherheit, Selbstbestimmung und eine hohe Lebensqualität zu
verlangen.
Die neue Linke legt programmatische Grundzüge
einer umfassenden gesellschaftlichen Umgestaltung vor, um die
Vorherrschaft der Kapitalverwertung über Wirtschaft und
Gesellschaft zu beenden und den Herausforderungen der Gegenwart mit
einem alternativen Entwicklungsweg zu begegnen. Es ist ein Programm
des Richtungswechsels der Politik und der Erneuerung der Demokratie.
Unsere Ziele sind:
eine Demokratisierung der Gesellschaft, die allen gleiche Möglichkeiten der Mitgestaltung des gesellschaftlichen Lebens garantiert. Dazu gehört auch der Kampf gegen patriarchale Unterdrückung, gegen alle Formen von Rassismus, Antisemitismus, Rechtsextremismus.
eine soziale Gestaltung von Arbeit und Wirtschaft: Im Mittelpunkt steht dabei nach wie vor, jeder und jedem die Möglichkeit zur Teilhabe an Erwerbstätigkeit und an deren sozialer Gestaltung zu geben. Dies ist Bedingung und Grundlage für vielfältige andere Tätigkeiten.
eine Wirtschaftsdemokratie, die alle Formen des Eigentums an sozialen und ökologischen Kriterien misst. Im öffentlichen Eigentum an Einrichtungen der Daseinsvorsorge und öffentlicher Verfügungsgewalt über sie sehen wir eine unverzichtbare Grundlage einer demokratischen und solidarischen Gesellschaft.
eine neue Solidarität auf der Basis moderner öffentlicher Dienstleistungen, solidarischer Sicherungssysteme und des ökologischen Umbaus der Gesellschaft als Grundlage eines selbstbestimmten Lebens.
eine internationale Ordnung des Friedens, der kollektiven Sicherheit und solidarischen Entwicklung, zu der eine veränderte Europäische Union beitragen soll.
Wir streiten für eine Gesellschaft, die jede und jeden an den Bedingungen eines Lebens in Freiheit, sozialer Sicherheit und Solidarität beteiligt. Zu den Freiheitsgütern, die dies erst ermöglichen, gehören die sozial gleiche Teilhabe der Einzelnen an den Entscheidungen in der Gesellschaft, existenzsichernde, sinnvolle Arbeit, Bildung und Kultur, hochwertige Gesundheitsleistungen und soziale Sicherungen. Notwendig ist die Überwindung aller Eigentums- und Herrschaftsverhältnisse, "in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist" (Karl Marx).
IV. Für einen Richtungswechsel
Noch herrscht der neoliberale Zeitgeist. Streiks gegen
Arbeitsplatzabbau, Demonstrationen gegen die Agenda 2010 und Hartz IV
sowie Wahlerfolge der Linken zeigen, dass dies nicht so bleiben muss.
Bürgerinnen und Bürger beginnen, sich zu wehren. Es ist die
strategische Kernaufgabe der Linken, zur Veränderung der
Kräfteverhältnisse als Voraussetzung für einen
Richtungswechsel beizutragen.
Deshalb haben wir folgende
strategische Ziele:
Auseinandersetzung mit der Ideologie des Neoliberalismus und Entwicklung von Alternativen: Wir setzen der neoliberalen Ideologie alternative Positionen eines anderen Entwicklungsweges entgegen. Diese werden wir mit den Erfahrungen und Konflikten in den Betrieben und im Alltagsleben verknüpfen und in der öffentlichen Auseinandersetzung populär und offensiv vortragen. Die wirtschaftlichen und sozialen Probleme verstehen wir vor allem als Ergebnisse falscher, neoliberal geprägter Antworten auf die neuen Herausforderungen unter dem Einfluss von Kapitalinteressen sowie als Ausdruck von Krisenprozessen und Widersprüchen, die die kapitalistische Ökonomie hervorbringt. In der öffentlichen Debatte hebt DIE LINKE den Widerspruch zwischen einzelwirtschaftlicher und gesamtgesellschaftlicher Perspektive hervor. Dringlich sind Aufklärung, Öffentlichkeitsarbeit und Aktionen, breit angelegte Bildungsarbeit, Bildung von Netzwerken und die Beteiligung an wissenschaftlichen Diskussionen.
Bündnis gegen den Neoliberalismus: Den neoliberalen Einfluss zurückzudrängen wird nur dann gelingen, wenn sich in der Gesellschaft ein breites Bündnis und eine politische Sammlungsbewegung für einen Richtungswechsel formieren. Wir gehen von den gemeinsamen Interessen abhängig Arbeitender in Deutschland und im europäischen und internationalen Maßstab aus. Wir wollen zu einem sozialen Bündnis beitragen, das hoch qualifizierte Beschäftigte und Kernbelegschaften wie auch in unsicheren und Teilzeitarbeitsverhältnissen Tätige sowie Erwerbslose, Selbstständige und sozial orientierte Unternehmerinnen und Unternehmer zusammenführt. Wir werden Bündnisse gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus unterstützen. Wir wollen alle Menschen ansprechen, die sich für soziale Gerechtigkeit, Emanzipation und mehr Demokratie, Frieden und Erhaltung der Natur einsetzen, unabhängig von ihrer Herkunft und Weltanschauung.
strategische Zusammenarbeit: Die Veränderung der gesellschaftlichen Kräfteverhältnisse ist nur möglich, wenn sich die politische Linke gemeinsam mit starken Kräften der Gewerkschaften, globalisierungskritischen und anderen sozialen Bewegungen, mit gesellschaftskritischen Initiativen und progressiven Vertretern aus Wissenschaft und Kultur aktiv gegen den Neoliberalismus und alle Unterdrückungsverhältnisse in der Gesellschaft stellt. Als Partei werden wir die Anliegen und Aktivitäten dieser Bewegungen aufgreifen und unsere eigenen Funktionen wahrnehmen. Wir werden unsere Mitglieder bestärken, in diesen Bewegungen aktiv mitzuwirken.
außerparlamentarische und parlamentarische Arbeit: Wir werden Bürgerinnen und Bürger gegen Machtbestrebungen der herrschenden Klasse mobilisieren und uns für eine neue Sammlungsbewegung einsetzen. Politische Kämpfe und Wahlen dienen uns dazu, unsere alternativen Reformprojekte zu vertreten und Mehrheiten für ihre Durchsetzung zu gewinnen. Die parlamentarische Arbeit werden wir so gestalten, dass sie der Zusammenarbeit mit außerparlamentarischen Kräften der Linken, der öffentlichen Darstellung eigener Reformvorschläge und dem Einbringen alternativer Gesetze, der Transparenz politischer Prozesse, der Untersuchung des Missbrauchs politischer Macht, der Entwicklung neuer gesellschaftlicher Kräfteverhältnisse und politischer Mehrheiten dient. Alle Landtags- und Bundestagsabgeordnete sollen verpflichtet werden, Angaben über die Höhe Ihrer Einkünfte zu veröffentlichen. Es soll zusätzlich transparent sein von wem diese bezogen werden.
gesellschaftlicher Protest, Entwicklung von Alternativen und Gestaltungsanspruch: DIE LINKE wird gesellschaftlichen Protest, den Einsatz für soziale Verbesserungen und die Entwicklung von Reformalternativen unter den gegebenen kapitalistischen Verhältnissen und die Gestaltung von Entwicklungswegen, die über die gegenwärtige Gesellschaft hinausweisen, zusammenführen. Keiner dieser drei Aspekte darf zu Gunsten der anderen vernachlässigt werden.
Regierungsbeteiligung: Sie ist für DIE LINKE ein Mittel politischen Handelns und gesellschaftlicher Gestaltung, wenn dafür die notwendigen Bedingungen gegeben sind und wenn DIE LINKE sich mit alternativen linken Projekten öffentlich erkennbar profiliert. Maßstäbe für Regierungsbeteiligungen sind die Verbesserung der Lage von Benachteiligten und die Verstärkung politischer Mitbestimmung, die Durchsetzung alternativer Projekte und Reformvorhaben. Sie muss die Veränderung der Kräfteverhältnisse nach links und die Einleitung eines Politikwechsels fördern. DIE LINKE wird aber nur unter Beachtung ihrer Grundsätze Koalitionen mit anderen Parteien eingehen. Öffentliche Daseinsvorsorge darf nicht privatisiert werden. DIE LINKE wird in Regierungen dafür eintreten, öffentliche Dienstleistungen für Bürgerinnen und Bürger nicht durch Personalabbau zu verschlechtern und Kürzungen sozialer Leistungen nach Kräften zu verhindern. DIE LINKE ist - auch in der Regierung - nur so stark, wie sie in der Gesellschaft verankert ist und gesellschaftliche Unterstützung erfährt. Linke Politik braucht treibende Kritik, öffentlichen Druck und außerparlamentarische Mobilisierung.
parlamentarische Bündnisse mit anderen politischen Kräften: Wir gehen solche Bündnisse ein, wenn dies den von uns angestrebten Richtungswechsel der Politik befördert. Wir stehen zugleich für einen neuen Politikstil der Transparenz, des gesellschaftlichen Dialogs und der direkten Bürgerbeteiligung. Den unterschiedlichen Möglichkeiten politischen Wirkens auf kommunaler, Landes-, Bundes- und europäischer Ebene werden wir in unserer Politik Rechnung tragen. Entscheidend für die Durchsetzung eines Politikwechsels ist dabei die bundespolitische Ebene. Hier liegen die meisten Kompetenzen, die dafür notwendig sind, hier erfolgen die meisten Weichenstellungen.
Wirken in der Partei der Europäischen Linken: Die Partei der Europäischen Linken ist ein neuer Faktor im politischen Leben Europas. Ebenso wie unsere Partei in Deutschland ist sie ein Schritt der Vereinigung der Linken und bietet die Möglichkeit, gemeinsam das Kräfteverhältnis in Richtung eines sozialen, demokratischen und friedlichen Europa zu verschieben.
Wir wollen eine Welt schaffen, in der die Würde jeder und jedes Einzelnen wirklich unantastbar ist, in der soziale Gerechtigkeit, Freiheit und Selbstbestimmung, Demokratie und Frieden vereint sind, in der die Menschen im Gleichklang mit der Natur leben. Dazu wirken wir für ein breites Reformbündnis. Gemeinsam streiten wir dafür, dass der Kapitalismus nicht das letzte Wort der Geschichte ist.